Category Archives: Geistliches Wort

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ – 1. Korintherbrief 15, 42 – Monatsspruch für April 2020

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Jesus Christus ist der Erste, der leiblich von den Toten auferstanden ist. Erst im Osterlicht seiner Auferstehung bekommt die Auferstehung der Christen überhaupt seinen Grund. Gegenstand aller Verkündigung ist darum die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, die wir jeden Sonntag, in jedem Gottesdienst feiern. Dieses Ereignis ist das Fundament des christlichen Glaubens, weil dieser Tatsache alles hängt.

Die Auferstehung Jesu Christi hat darum auch Folgen für unser Leben: Trauer über den Tod eines lieben Menschen oder die Angst vor Krisen und Katastrophen braucht uns nicht mehr in maßlose Traurigkeit und Verzweiflung zu stürzen. Natürlich darf ein Christ auch um seine Verstorbenen trauern und natürlich darf er sich über die Ungerechtigkeit in der Welt empören.

Jedoch wird er in Leid, Trauer und Schmerz immer wieder auf den schauen, der das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat: Jesus Christus. Mitten in den Ausweglosigkeiten unseres Lebens, zeigt er Wege, wie wir mit den Kräften der Vernichtung, die uns nach wie vor umgeben, umgehen können. Ihre Herrschaft ist durch die Auferstehung Christi, die wir zu Ostern feiern, zerbrochen. Nicht die Kräfte der Vernichtung und des Todes haben das letzte Wort, sondern Jesus Christus, der uns als der Auferstandene begegnet. ER, der von Gott mit neuem Leben erfüllt ist und dessen Leben kein Ende hat. Das Fest der Auferstehung, das die weltweite Christenheit zu Ostern feiert, ist darum das wichtigste, weil es das Herzstück des christlichen Glaubens ist.

Das Osterereignis sprengt unsere menschliche Erfahrung, weil Leid, Schmerz, Tränen und Tod noch in der Welt sind – wir sehen und erfahren das leider. Auch die Augenzeugen der Auferstehung Jesu werden mit dieser Wirklichkeit konfrontiert. So zweifeln auch damals manche unter den Jüngern. Nicht nur heute, sondern durch alle Zeiten hindurch scheint die leibliche Auferstehung Jesu Christi von den Toten ungeheuerlich und lässt sich nicht mit menschlicher Erfahrung vereinbaren.

Paulus antwortet denen, welche die Auferstehung der Toten ablehnen. Wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe, dann wäre auch Jesus Christus nicht auferstanden. Wenn er nicht auferstanden wäre, dann wäre auch die Predigt, der Glaube und die Kirche sinnlos. Die Macht von Sünde, Tod und Teufel wären nicht gebannt. Ja hofften wir allein in diesem Leben auf Christus, so wären wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. (1. Korinther 15, 20)

Die leibliche Auferstehung Jesu Christi ist wirklich geschehen, darum werden auch alle daran Anteil haben, die in Jesus Christus gestorben sind. Unsrer Auferstehung geht voraus, dass der alte menschliche Leib vergeht – gesät wird verweslich – Doch diesen Leib wird Gott kraft seines Wortes ins Leben rufen und neu schaffen. In der Heiligen Taufe, wo der alte Mensch stirbt und der neue Mensch herauskommt und aufersteht, um in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich zu leben, ist für uns diese neue Schöpfung angebrochen.

          So wünsche ich uns ein zuversichtliches und fröhliches Osterfest! Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ – Markusevangelium Kapitel 9, Vers 24 – Jahreslosung 2020

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Im Vers vor unserer Jahreslosung für 2020 sagt Jesus über den Glauben: „alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“, als fordere er Glauben wie eine Willensentscheidung, ein Bekenntnis oder einen Entschluss von uns Menschen ein. Und es gibt noch viele andere Stellen in der Heiligen Schrift, die den Glauben ganz ähnlich wie einen willentlichen Entschluss des Menschen beschreiben.

Müsste uns eigenwilligen, in Freiheit und Unabhängigkeit verliebten Menschen, die gern selbstbestimmt entscheiden wollen, was falsch oder richtig ist, und was sie nach genauem abwägen glauben oder auch nicht glauben wollen, der Ausspruch Jesu nicht sehr entgegen kommen?

Dr. Martin Luther beschreibt uns im Kleinen Katechismus mit wunderbaren Worten, was Glauben ist und wie er entsteht: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben;“

Kürzen wir diesen Satz zusammen, dann steht da der offen und ehrliche Satz: „Ich glaube…, dass ich nicht glauben kann!“ Er klingt ganz nach dem verzweifelten Vater, der Jesus um die Heilung seines von einer bösen Macht besessenen Sohnes bittet. An dieser Stelle hilft Jesus dann auch. Der Heilige Geist hat uns durch das Evangelium zum Glauben berufen. Er selbst wird diesen Glauben auch erhalten, wenn wir ihn darum bitten. Der Glaube ist Gottes Werk in uns und nicht unsere fromme Leistung, mit der wir uns bei ihm bewerben. Immer wieder dürfen wir rufen: „Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben! Alleine schaffe ich es nicht.“ Unser Gott hört diese Bitte gerne. Denn nichts tut er lieber als das: uns den Glauben erhalten und uns helfen.

Es ist nicht richtig, Unglauben oder den Zweifel schön zu reden, wie es in diesem Jahr sicher häufig passieren wird. Aberglaube ist Glaube oder Vertrauen, das sich auf ein falsches Ziel richtet, also statt von Gott von anderen Dingen oder Mächten Hilfe erwartet. Anfechtung ist das, was den Glauben an Gott von außen zu erschüttern versucht, also negative Gedanken, die durch schlimme Ereignisse, Angriffe von anderen Menschen, Schicksalsschläge provoziert werden. Kleinglaube ist Glaube, der wenig von Gott erwartet.

Was bedeutet es nun aber, dass dem Glaubenden alles möglich ist? Das Evangelium in der Geschichte um die Jahreslosung 2020 besteht darin, dass Jesus der wahrhaft Gott in allem Vertrauende ist, der darum alles kann. Daher auch der Hinweis auf das Gebet am Schluss. Auch Jesus hat vor seinen Wundern oft sichtbar gebetet, um zu zeigen, woher seine Kraft kommt. Die Jünger können überhaupt nichts von sich aus, sie brauchen die Kraft des Vaters im Himmel. Dann können sie, so es Gott will, alles.

Der Vater des kranken Kindes, der mit viel Hoffnung und leisem Zweifel um Hilfe bittet, versteht Jesu Ermahnung sofort, der seinen Zweifel aufdeckt. Und er erkennt im selben Moment, dass jetzt nur noch Ehrlichkeit hilft. Kein scheinheiliges: „Aber ich glaube doch!“ Kein relativierendes „Aber ich weiß doch, dass du es kannst, wenn du willst!“ Am Ende hilft nur der Schrei dieses Vaters: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Hilf mir, nicht zu zweifeln, sondern dir zu vertrauen, ganz und gar! Am Ende hilft nur das Eingeständnis, dass wir nicht mal glauben können ohne Gottes Hilfe. Und auch nicht ohne andere Menschen, die mit uns schreien: „Wir glauben; hilf unserem Unglauben!“

Mit Glauben und Unglauben werden wir auch in diesem Jahr zu tun haben, auch in unserem persönlichen Glaubensleben. Um so tröstlicher ist es darum zu wissen, dass Jesus sich auch zum Eingreifen und Handeln bewegen lässt, auch wenn unser eigener Glaube schwach, zweifelnd oder gar abhanden gekommen ist. Darum wünsche ich uns allen immer wieder solchen Glauben, der von Gott etwas erwartet, vertraut, empfängt und wahrnimmt, damit auch wir erfahren, wie Gott in unserem Leben und in dieser Welt eingreift, seine Macht unter Beweis stellt und durch sein Wort und Sakrament Glauben unter uns wirkt.

Möge Gott uns den Glauben schenken und erhalten der erfährt, wie Gott helfen kann und will und wird. Dass ER seine Verheißungen einlösen wird und dass wir mit unserem Kleinglauben und Zweifeln bei ihm allein an der richtigen Stelle sind.

So wünsche ich Ihnen / Euch ein gesegnetes und glaubensstärkendes Jahr 2020.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Wie es dir möglich ist: Aus dem vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! Tobias 4, 8 – Monatsspruch für Oktober 2019

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Dr. Martin Luther urteilte über die Apokryphen, aus denen der Monatsspruch im Buch Tobias entnommen ist: „Das sind Bücher, die der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.“ Dieses Urteil könnte uns dazu verleiten, die Aufforderung, Almosen zu geben, als gut gemeinten aber nicht unbedingt notwendigen Ratschlag leichtfertig beiseite zu schieben.

Es geht uns ja in unserem Land nicht schlecht. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen: ein Dach über dem Kopf, sauberes Wasser, Kleidung und Lebensmittel im Überfluss, eine gut funktionierende Infrastruktur und eine gute medizinische Versorgung.

Und doch fällt es uns nicht leicht, von dem, was wir zum Leben haben, von unserem Besitz oder unserem Einkommen etwas abzugeben. Man weiß ja nie was noch kommt. Darum sollte man vernünftig haushalten und vorsorgen.

Aber nehmen wir eigentlich bei all dem Wohlstand unserer Gesellschaft noch wahr, dass alles, was uns im Leben anvertraut und gegeben ist, unverdiente Gaben Gottes sind? Der Blick auf den Schöpfer als Geber aller Gaben und die Erinnerung, das Arbeit, Ertrag, Gesundheit, Frieden, Sicherheit usw. keine Selbstverständlichkeit sind, sollte uns immer wieder nachdenklich machen und dazu anleiten, mit allem, was uns von Gott gegeben ist, auch entsprechend verantwortungsvoll umzugehen. Es zeigt sich nämlich gerade in der Möglichkeit, aus den Erträgen unserer Arbeit etwas abzugeben oder zu teilen, das Lob, die Dankbarkeit und die Ehrfurcht dem Gegenüber, dem wir alles verdanken.

Wir müssen und können Gott von allem, was wir durch ihn empfangen, nichts zurückgeben, aber wir können unsere Dankbarkeit und unser Vertrauen, dass er uns versorgt, zeigen und zum Ausdruck bringen, indem wir von den Erträgen unseres Lebens regelmäßig abgeben. In besonderer Weise geschieht das, wenn wir tatsächlich Almosen geben, also materielle oder finanzielle Gaben an bedürftige Empfänger, ohne die Erwartung einer Gegenleistung.

Letztendlich zeigt sich genau darin unser Glaube und unser Vertrauen in Gott, dass ER uns versorgt und auch in Zukunft versorgen wird, selbst wenn wir nicht unbedingt „aus dem vollen schöpfend“, aber doch von dem weitergeben, was wir von IHM empfangen.

Was müsste denn geschehen, damit uns das Geben und Teilen leichter fällt? Es muss wohl das Vertrauen, dass Gott für uns sorgt und uns versorgen wird, immer wieder neu in uns gestärkt werden! Das kommt nur durch den Heiligen Geist und den geschenkten Glauben. Denken wir z.B. an das Gleichnis Jesu von der kostbaren Perle und dem Schatz im Acker. Da ist einer bereit, alles zu geben, um den Schatz zu heben, weil er den wahren Wert des Schatzes erkannt hat.

Lassen wir uns also getrost daran erinnern, dass auch uns mit dem Opfer Jesu am Kreuz für unsere Sünde und unser Misstrauen gegen Gott, das Kostbarste überhaupt geschenkt ist, nämlich Vergebung und das ewige Leben. Und lassen wir uns zuversichtlich im Glauben befestigen, den Gott durch sein Wort und Sakrament in uns stärkt und erhält, dass uns dieser Schatz nicht verloren geht. Gott wird uns mit irdischen Gütern auch weiterhin so versorgen, dass wir immer genug haben, um davon abzugeben, sei es nun viel oder wenig.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Matthäusevangelium Kapitel 16, Vers 26 – Monatsspruch für September 2019)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Was Menschen doch nicht alles unternehmen, um ihr Leben auszukosten, es zu genießen, es abzusichern, es aufzuwerten oder es sich zumindest zu erleichtern und zu verschönern? Die einen arbeiten hart und viel, damit sie sich von dem verdienten Geld etwas Schönes leisten können, ein eigenes Haus, einen schönen Urlaub, eine Weltreise oder ein neues Auto. Andere treiben viel Sport und ernähren sich ausgewogen, um sich gesund und fit zu halten oder ihr Leben zu verlängern. Einige investieren viel Zeit in ihre Kariere, um Titel und angesehene oder unabhängige Positionen zu erreichen. Wir Menschen wollen leben und das Leben auskosten. Aber merken wir bei all unserem geschäftigen Treiben eigentlich noch, dass wir damit oft nur versuchen, diese Welt zu gewinnen?

Die meisten verlieren sich bei all ihren Anstrengungen, sich das Leben so angenehm und schön wie möglich zu machen, in Nebensächlichkeiten. Viele meinen, darum keine Zeit zu haben, weil noch so viel zu erledigen ist. Selbst im Ruhestand kommen etliche nicht zur Ruhe. Der Blick für das, was wirklich Leben, Heil und Seligkeit schafft, geht fortwährend verloren. Was bleibt am Ende, wenn man in der Welt vieles erreicht, aber darüber sich selbst verliert und Schaden genommen hat? Wir können mit nichts auf der Welt unser Leben verlängern oder am Ende unsere Seele auslösen, denn von all dem, womit und wofür wir uns tagtäglich abmühen wird am Ende nichts bleiben.

Jesus Christus weist uns mit seinen Worten auf die Vergeblichkeit unserer Bemühungen hin und gibt doch auch gleichzeitig die Antwort darauf, wie wir zu wahrer Erfüllung und ewigem Leben gelangen. Er sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 3, 36) Sollten wir also nicht viel mehr unserer Zeit, unserer Kraft und unserer Mittel darin investieren, um aus den Quellen zu schöpfen, die unseren Glauben erhalten, und helfen, sie uns und anderen zugänglich zu machen, wo wir selbst und andere genau diesen Glauben an den Sohn empfangen und gestärkt bekommen?

Wohl dem, der das schon im Glauben erkannt hat und aus dieser unerschöpflichen Quelle des wahren Lebens täglich und in jedem Gottesdienst schöpft! Der ist selbst schon wie eine Quelle des Wassers geworden, das in das ewige Leben quillt. Der wird auch mit seinen Kräften, mit seiner Zeit und mit den Mitteln, die ihm Gott in dieser Welt schenkt, gelassener und großzügiger umgehen als der, der immer noch meint, die Welt gewinnen zu müssen.

Wie viele Brüder und Schwestern im Glauben und wie viele Menschen bräuchten genau darum unsere Hilfe, um aus den Tretmühlen ihrer Geschäftigkeit zu kommen? Möge der HERR uns um ihrer und unserer Seligkeit willen darum immer wieder unsere Herzen und Hände öffnen und uns erkennen lassen, dass wir nicht die Welt gewinnen müssen, um unser Leben durch IHN zu erhalten und zur Erfüllung und zur ewigen Seligkeit zu gelangen!

          Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäusevangelium Kapitel 20, Vers 28 – Monatsspruch für April 2019)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Als Pfarrer frage ich mich hin und wieder, wie unser christlicher Glaube und unser Christsein an sich von den Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, wahrgenommen wird und sich praktisch auf unser Leben auswirkt? Können unsere Mitmenschen uns überhaupt anmerken, dass wir Christen sind und uns als Gemeinde von der Welt abheben, weil wir in unserem Reden, Denken und Tun auffallen und uns als Gottes Kinder erweisen?

Ich denke, dass es gut und heilsam ist, wenn wir uns diese Frage tatsächlich regelmäßig stellen, weil Christus sagt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5, 16) Und in Kapitel 7, Vers 20, sagt er weiter: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Die Realität unseres Lebens sieht nämlich leider oft ganz anders aus. Auch als Christen unterscheiden wir uns eben nicht wirklich von Nichtchristen, auch mit den besten Vorsätzen. In Angst sind wir gerade nicht immer zuversichtlicher, in Leid nicht fröhlicher, in Schmerz nicht geduldiger, in Sorgen nicht gelassener und in Not nicht furchtloser als andere Menschen. Ganz zu schweigen von dem, was wir auch als Christen gegen Gottes Willen tun oder unterlassen und besonders an Liebe und Barmherzigkeit unserem Nächsten immer wieder schuldig bleiben.

Um das zu ändern, ist es gut, zu fragen und zu erkennen, was uns zu Gottes Kindern macht und wie wir uns als Jünger unseres Herrn bewähren. Oder besser gesagt, wie Gottes Heiliger Geist an uns arbeitet und uns verändert. Könnten wir tatsächlich selbst aus eigener Kraft unser Leben, unsere Einstellung und unsere Perspektive verändern, dann hätte Jesus nicht am Kreuz für uns sterben müssen, dann tatsächlich würden wiederkehrende Apelle oder Zwangsmaßnahmen Gottes genügen, um uns anzutreiben, um uns zur Umkehr zu bewegen oder zu besseren Menschen zu machen.

 

Aber als Christen sind wir Gottes Werk, durch Gottes Handeln in unserer Taufe, „geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“, was nichts anderes heißt, als immer wieder auf Gottes Worte zu hören und dieses wirkmächtig an uns und über uns geschehen zu lassen im Glauben. Denn „Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“ (2. Timotheus 1, 9+10)

Christsein und christlicher Glaube heißt nicht, dass wir auf das schauen, was wir aus eigener Kraft zustande bringen oder wo wir immer wieder scheitern, sondern vertrauensvoll auf den zu schauen und uns auf den zu verlassen, der für uns gestorben ist. Christus hat das für uns Unmögliche, aus eigener Kraft Gottes Kinder zu werden oder zu sein, vollbracht. Was Christus für uns getan hat und tut, ist das alleinige und tragende Fundament unseres Glaubens, nicht wie wir uns wahrnehmen oder wie wir von anderen wahrgenommen werden. Denn nicht wir, sondern Gott ist es, „der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.“ (Psalm 103, Vers 3-5) Christlicher Glaube und Christsein erweist sich also ganz praktisch in den Gottesdiensten, wo wir die Stimme unsres guten Hirten im Wort hören und seine heilsame Gegenwart im Sakrament erfahren und getröstet und getragen werden von der Gewissheit „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34, Vers 15 – Jahreslosung für 2019)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Wer unter uns sehnt sich nicht nach Frieden? Frieden um uns herum und in uns drin ist ein hohes Gut, das wir allzu oft erst wahrnehmen, wenn er uns abhanden gekommen ist. Allerdings scheint die Aufforderung der Jahreslosung für 2019, selbst für diesen Frieden zu sorgen und ihm nachzujagen, sehr anstrengend und irgendwie auch aussichtslos, wenn man den Unfrieden, der in Welt herrscht, nüchtern betrachtet. Die Abwesenheit von Frieden zeigt sich ja nicht nur an den Orten in der Welt, wo Kriege, Konflikte oder Unsicherheit herrschen, sondern auch in unseren täglichen Beziehungen.

Das hebräische Wort für Frieden, „Schalom“, beinhaltet Ausgleich und Wiederherstellung, also weit mehr als Befriedung durch Waffengewalt, ein Friedensvertrag oder ein Kompromiss. Frieden im biblischen Sinne meint etwas viel größeres, als wir mit Frieden oft meinen zu verstehen. Dieser Frieden in seiner Fülle kann letztendlich nur von Gott her kommen. Er beinhaltet sowohl ein gerechtes Handeln untereinander als auch das Versprechen der Glückseligkeit.

Dass wir solchen Frieden nicht herstellen können, ja aus eigener Kraft unfähig dazu sind, zeigt, wie auch in unserer Gesellschaft beständig mit Worten und Gedanken getötet und vernichtet wird. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.“ (Matthäus 5, 22) In diesem Sinne sind auch die Seligpreisungen „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9), für uns zuerst eine Gerichtspredigt, nach der kein Mensch sich anmaßen kann und sollte, vor Gott auf Grund seines Strebens nach Frieden bestehen zu können.

Dennoch bleibt das Suchen und Streben nach Frieden ein erhabenes und gebotenes Anliegen. Wir werden als (gefallene) Menschen aber immer wieder die Erfahrung des Scheiterns machen und feststellen müssen, dass wir nicht in der Lage sind, Frieden im umfassenden Sinn herbeizuführen. Darum ist es uns zuerst geboten, im Gebet für diesen Frieden zu bitten, was das hebräische Wort für „nachjagen“ umfasst. In fast jeder Fürbitte im Sonntagsgottesdienst beten wir darum, dass Gott uns den Frieden erhalte oder den Kriegen in der Welt ein Ende setze. Doch auch an vielen anderen Stellen im Gottesdienst begegnet uns der Friedenswunsch und die Friedensbitte, zum Beispiel beim dreimaligem Anrufen des Gotteslammes im Agnus Dei: „Gib uns deinen Frieden!“, oder im Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten“. Nicht zu vergessen sei auch die Zusage am Anfang, oder am Ende der Predigt, der Beichte und beim heiligen Abendmahl: „Der Friede des Herrn sei mit Euch!“ und „Gehet hin in Frieden!“.

Wahren und umfassenden Frieden kann allein Gott schenken. Ihm gemäß der Jahreslosung nachzujagen, heißt, dass wir uns zuerst des Friedens mit Gott immer wieder vergewissern, IHN darum bitten und durch IHN Schritte zur Umsetzung des Friedens hier in dieser Welt üben. Das wird eine Herausforderung und Anstrengung bleiben, doch in dieser Reihenfolge auf jeden Fall ein hoffnungsvolles und den inneren Frieden erfüllendes Wirken.

Das Kind in der Krippe, Gottes Sohn, hat am Kreuz für unsere Sünde bezahlt, damit wir Frieden mit Gott haben. Dadurch, dass er demjenigen, der auf ihn vertraut, Heil und Rettung zuwendet, erfüllt er den Frieden. Die Antwort des Glaubenden darauf kann nur Dank und Lobpreis sein. So können wir mit Martin Luther diesen Psalm als Dankpsalm begreifen. Die Aufforderung, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen, wird damit zum Ruf, auf Gott zu vertrauen und in diesem Vertrauen

Schritte zur Umsetzung des Friedens hier in dieser Welt zu tun.

Dieser Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. So wünsche ich Ihnen / Euch ein gesegnetes und friedvolles Jahr 2019.

Pfr. Tino Bahl

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Offenbarung Kapitel 21, Vers 2 – Monatsspruch für November 2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Für das alttestamentliche Volk Israel war die Stadt Jerusalem mit ihrem Tempel die Erfüllung einer Verheißung Gottes und der Ort, an dem Gott unter ihnen wohnte. Doch musste das Volk auf die Erfüllung der Verheißung nicht nur sehr lange warten. Im Verlauf der Geschichte mussten sie immer wieder die Belagerungen der Stadt, Vertreibung und Deportation, und schließlich die Zerstörung Jerusalems und des Tempel schmerzlich erleben.

Zwar gab es zwischendurch auch Zeiten des Wiederaufbaus und der Befreiung, aber am Ende kam es zur endgültigen Zerstörung des Tempels und der Zerstreuung des Volkes in alle Welt, bis auf den heutigen Tag. Die Konflikte, die es seither um und in der heiligen Stadt über die Jahrhunderte gab und die bis auf den heutigen Tag anhalten, werden bis zum Jüngsten Tag nicht gelöst werden.

Wie wunderbar ist da die Aussicht, die der Seher Johannes dem Gottesvolk mit größter Gewissheit in unserem Monatsspruch für November in Aussicht stellen darf: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! (Offenbarung 21, 5). „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“

Der Seher Johannes sieht in einer Vision das himmlische Jerusalem vom Himmel herabkommen. Die Antwort auf alle unsere Fragen, Ängste und Konflikte liegt letztendlich bei Gott und in seinem Handeln begründet. Welch ein Trost! Denn mit der Verheißung des Kommens der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem, ist ja auch die die Lösung aller irdischen Konflikte, Ungerechtigkeiten und die Erfüllung der in Christus offenbarten Wahrheit Gottes verbunden. So haben nicht nur die ersten Christen in der Verfolgung diese Worte als Glaubensstärkung und Trost erfahren, sondern bis auf den heutigen Tag erleben wir die Kraft dieser Worte, wenn wir sie in der bitteren Endlichkeit dieser Welt an den Gräbern unserer Angehörigen hören dürfen und sie uns mit Gewissheit zugesprochen werden.

„Denn Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“

Mit unserer Taufe haben wir nicht nur das Bezugs- und Bleiberecht für diese zukünftige Stadt, sondern das Bürgerrecht geschenkt bekommen. In jedem Gottesdienst ragt diese neue Welt Gottes in die unsere hinein: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“ (Offenbarung 21, 3+7)

Machen wir von unserem Bürgerrecht Gebrauch und folgen wir schon hier und jetzt der Einladung Gottes, in seiner heiligen Stadt, in seiner Gegenwart, unter seinem Segen und Schutz schon jetzt zu leben und ewig zu bleiben, indem wir allezeit und beständig SEINEN Einladungen zu SEINEN Gottesdiensten folgen.

So wünsche ich Ihnen / Euch eine zukunftsweisende und wache Zeit in freudiger Erwartung auf das Kommen des HERRN am Ende und Beginn des Kirchenjahres.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea Kapitel 10, Vers 12 – Monatsspruch für Juli 2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Eigentlich ist die jetzt angebrochene Sommerzeit nicht mehr die Zeit des Pflügens und der Aussaat. Gesät und gepflügt wird vielmehr im Frühjahr oder sogar schon im Herbst. Jetzt ist vielmehr die Zeit des Wachstums und des Reifens. Bei günstigem Wetter dürfen wir auf eine glückliche Ernte hoffen.

Der Monatsspruch für Juli spricht ebenfalls von Saat und Ernte, allerdings in einem übertragenen Sinn. Gott lässt durch den Propheten Hosea sagen: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Buch des Propheten Hosea, Kapitel 10, Vers 12)

Gott weist uns darauf hin, dass unser Handeln in Taten, Worten und Gedanken mit einem Samen vergleichbar ist, der mit der Zeit aufgeht und etwas hervorbringt. Ähnlich dem Sprichwort: „Was der Mensch sät, dass wird er auch ernten.“ Er fordert uns auf, Gerechtigkeit auszusäen und Gott zu suchen, solange es Zeit ist. Hosea weiß, dass Gott sich nicht immer finden lässt, sondern dass Gott sich auch verborgen halten oder seinen Segen zurückhalten kann. Darum sind wir immer aufgefordert zu überdenken, was wir mit unseren Taten, Worten und Gedanken aussäen und welche Früchte wir zu erwarten haben.

Gott fordert uns auf, dies immer wieder zu tun, nicht nur im Frühling oder wenn wir erst die schlechten Früchte unseres Handelns aufgehen sehen. Gott ermöglicht jederzeit einen Neuanfang, verbunden mit seinem Segen, der Gerechtigkeit über uns regnen lässt. Dabei geht es nicht darum, dass wir mit unserem Handeln perfekt sein müssen und immer alles richtig machen, die rechten Worte finden oder ohne Furcht und Zweifel sind. Innerweltliche Gerechtigkeit werden wir wohl niemals wirklich herstellen können, wie sehr wir uns auch bemühen. Aber in Dankbarkeit, dass wir Fehler erkennen können, und im Vertrauen darauf, dass Gott unsere Umkehr und jeden Neuanfang begrüßt, begleitet und segnet, dürfen wir getrost auf den Anbruch seiner Gerechtigkeit hoffen und sie mit Gewissheit erwarten.

In der Taufe hat Gott den Neuanfang mit uns schon längst begonnen und uns seine Gerechtigkeit geschenkt, indem er uns mit seinem Sohn Jesus Christus verbunden hat. Jetzt zählt nicht mehr, was wir bruchstückhaft mehr oder weniger zu Stande bringen, sondern vielmehr, was Gott an uns, in uns und durch uns wirkt, wenn wir uns seinem Wort aussetzen und ihn so tatsächlich an uns handeln und wirken lassen. So wie Sonne und Regen die Saat aufgehen und wachsen lassen, so lässt Gott auch uns im Glauben, in der Liebe und im Hoffen durch das, was er uns sagt und zuspricht, wachsen und gedeihen. Möge Gott uns die Zeit und den Blick dafür schenken, im Leben immer wieder neu anzufangen, wo es nötig ist, und zu erkennen, was er uns schenkt und wo wir auf den Regen seiner Gerechtigkeit hoffen oder sie auf jeden Fall erwarten dürfen.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Johannesevangelium Kapitel 20, Vers 21 Monatsspruch für April2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mission und Diakonie sind „durch den Auftrag Gottes geforderte Lebensäußerungen der Kirche und ihrer Gemeinden“, so heißt es in der Grundordnung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Wenn eine Kirche oder Gemeinde diese Aufgaben vor Ort und in der Welt nur halbherzig oder gar nicht mehr wahrnimmt, dann wird sie ihrem christlichen Auftrag und ihrer Berufung nicht mehr gerecht.

Jesus Christus, der Auferstandene, beruft und sendet die Apostel mit der Vollmacht aus, sein rettendes Evangelium zu predigen und in seinem Namen Sünden zu vergeben und zwar in aller Welt, bis an der Welt Ende. Dabei geht es nicht darum, dass die Apostel selbst die Welt retten müssten, sondern vielmehr den zu predigen, der die Erlösung der Welt vollbracht hat, „damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 16) Dies geschieht, wenn die Botschaft seiner Auferstehung und die Vergebung, die uns um Christi Willen geschenkt wird, in die Welt hinaus getragen und mit Wort und Tat bezeugt wird. Welch einen Segen und was für einen großen Schatz hat doch der HERR damit seiner Kirche auf Erden anvertraut!

Sind wir uns bewusst, dass auch wir zu dieser wunderbaren, heilvollen und wichtigen Aufgabe durch unsere Taufe berufen sind? Auch wenn die Sendung der Apostel mit einer besonderen Vollmacht und Verantwortung verbunden ist, so ist doch auch jeder Christ Kraft seiner Taufe dazu berufen, in seinem unmittelbaren Umfeld Jesus Christus als den auferstandenen Retter der Welt zu bezeugen.

Dabei sind wir nicht auf uns allein gestellt, sondern haben die feste Zusage, dass Christus bei uns ist „alle Tage, bis an der Welt Ende“ und uns der Heilige Geist die Worte eingeben wird, die wir reden sollen. Es geht auch nicht darum, Menschen mit schlauen Erklärungen und logischen Argumenten zu überzeugen, sondern zuallererst zu bekennen und zu bezeugen, was Christus an uns selbst getan hat.

Christus hat uns genau dazu versprochen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein … bis an das Ende der Erde.“ (Apostelgeschichte 1, 8) Diese Kraft dürfen wir uns in unseren Gottesdiensten, an Gottes Altar und überall, wo wir uns um Gottes Wort sammeln, um darin Trost und Hilfe zu suchen, immer wieder fleißig schenken lassen. Hier erfahren wir SEINE Gegenwart und dürfen für unseren Glauben und unsere Mission auftanken.

Möge der Heilige Geist unsere Herzen entzünden, dass auch wir – erfüllt von der Freude des Ostergeschehens und die damit verbundene Aussicht auf Rettung dieser schuldverstrickten Welt – unseren wunderbaren göttlichen Auftrag in dieser Welt wahrnehmen und unseren Glauben an den Heiland Jesus Christus vor der Welt immer wieder gern und mit Freuden bezeugen.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Man muss GOTT mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5, 29 – Monatsspruch für Juni 2017)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mit „gehorchen“ und „Gehorsam“ haben die meisten Menschen unserer Gesellschaft so ihre Schwierigkeiten, weil sie damit den Verlust der eigenen Selbstbestimmung und die Einschränkung ihrer individuellen Freiheit verbinden. Leider hat die Geschichte auch immer wieder gezeigt und bestätigt, dass blinder Gehorsam abgründig missbraucht werden kann. Dabei ist Gehorsam biblisch und historisch gesehen eine Tugend, die uns Menschen Selbstbeherrschung, Genügsamkeit und Vertrauen abverlangt. Ungehorsam und Treulosigkeit sind die Untugenden, an denen der Mensch und die Gesellschaft krankt.

Wichtig für einen gesunden recht- und die tugendhaften Gehorsam ist letztendlich, wem und welchen Normen man gehorcht, und vor allem, ob dabei auch das Wohl des Gehorchenden berücksichtigt ist. Jeder Mensch folgt bestimmten Normen und Grundsätzen, denen er mal mehr oder weniger gehorsam ist, selbst wenn er sie selbst aufgestellt hat. Aber welche Instanz entscheidet dann noch über richtig und falsch oder gut und böse?

Die Instanz, die tatsächlich allumfassend das Gute, Richtige und vor allem das Wohl aller Im Blick hat, ist allein der allmächtige Gott selbst, der diese Welt und alles, was darinnen ist, geschaffen hat und erhält. Um Gott tatsächlich gehorsam sein zu können, muss man natürlich Gottes Gebote und Gottes Willen auch kennen und sein Wort hören. Erst daran kann man sein eigenes Denken, Reden und Tun wirklich überprüfen.

Es ist nämlich kein Unterschied, ob ich auf äußeren Druck der Gesellschaft, aus Sorge um mein Ansehen, aus Angst vor Benachteiligung oder Spott, Gott den Gehorsam verweigere oder ob ich mir selbst, aus eigenem Anrieb, von Gott nichts sagen lassen will. Wie schwer es sein kann, Gott immer wieder mehr zu gehorchen als den Menschen, zeigen die Apostel und Propheten neben vielen anderen biblischen Gestalten, die mit Gott in Konflikte geraten. Und das nicht nur im gegensätzlichen Gehorsam zwischen Gott und den Menschen, sondern gerade wegen ihres Gottes widerstrebenden Eigenwillen. So gehorcht zum Beispiel der Prophet Jona zuerst nicht dem Befehl Gottes, den Bewohnern Ninives Gottes Gericht zu predigen. Er flieht, und später zürnt er Gott, weil dieser auf die Umkehr der Menschen von Ninive die angedrohte Strafe abwendet. Die Geschichte zeigt, wir Menschen, werden Gott aus eigenem Willen und eigener Kraft nie über alles in der Welt gehorsam sein, wenn Gott uns nicht verändert! Wenn man also will, dass ein Mensch Gott gehorsam wird, dann erreicht man dies nicht durch Forderungen oder Drohungen, sondern indem man seinen Glauben an Christus durch die frohe Botschaft des Evangeliums weckt und stärkt.

In Jesus Christus hat Gott gezeigt, was es heißt, bis zur letzten Konsequenz gehorsam zu sein. „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Philipper-brief 2, 8) Durch seinen Gehorsam haben wir das Leben. Unser Gehorsam gegenüber Gott besteht nun allein darin, auf Christus zu vertrauen. Diese befreiende Botschaft weckt den Glauben an Christus und verändert den Menschen. Der Glaube macht ihn dazu bereit und fähig, Gott gehorsam zu sein. IN CHRISTUS! „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Epheser 2, 10)

Möge der dreieinige Gott uns durch sein Wort leiten und sein Sakrament immer wieder trösten und stärken, dass wir in Christus bleiben und uns im Vertrauen auf Jesu Gehorsam als Jünger unseres HErrn bewähren!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl