Category Archives: Geistliches Wort

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea Kapitel 10, Vers 12 – Monatsspruch für Juli 2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Eigentlich ist die jetzt angebrochene Sommerzeit nicht mehr die Zeit des Pflügens und der Aussaat. Gesät und gepflügt wird vielmehr im Frühjahr oder sogar schon im Herbst. Jetzt ist vielmehr die Zeit des Wachstums und des Reifens. Bei günstigem Wetter dürfen wir auf eine glückliche Ernte hoffen.

Der Monatsspruch für Juli spricht ebenfalls von Saat und Ernte, allerdings in einem übertragenen Sinn. Gott lässt durch den Propheten Hosea sagen: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Buch des Propheten Hosea, Kapitel 10, Vers 12)

Gott weist uns darauf hin, dass unser Handeln in Taten, Worten und Gedanken mit einem Samen vergleichbar ist, der mit der Zeit aufgeht und etwas hervorbringt. Ähnlich dem Sprichwort: „Was der Mensch sät, dass wird er auch ernten.“ Er fordert uns auf, Gerechtigkeit auszusäen und Gott zu suchen, solange es Zeit ist. Hosea weiß, dass Gott sich nicht immer finden lässt, sondern dass Gott sich auch verborgen halten oder seinen Segen zurückhalten kann. Darum sind wir immer aufgefordert zu überdenken, was wir mit unseren Taten, Worten und Gedanken aussäen und welche Früchte wir zu erwarten haben.

Gott fordert uns auf, dies immer wieder zu tun, nicht nur im Frühling oder wenn wir erst die schlechten Früchte unseres Handelns aufgehen sehen. Gott ermöglicht jederzeit einen Neuanfang, verbunden mit seinem Segen, der Gerechtigkeit über uns regnen lässt. Dabei geht es nicht darum, dass wir mit unserem Handeln perfekt sein müssen und immer alles richtig machen, die rechten Worte finden oder ohne Furcht und Zweifel sind. Innerweltliche Gerechtigkeit werden wir wohl niemals wirklich herstellen können, wie sehr wir uns auch bemühen. Aber in Dankbarkeit, dass wir Fehler erkennen können, und im Vertrauen darauf, dass Gott unsere Umkehr und jeden Neuanfang begrüßt, begleitet und segnet, dürfen wir getrost auf den Anbruch seiner Gerechtigkeit hoffen und sie mit Gewissheit erwarten.

In der Taufe hat Gott den Neuanfang mit uns schon längst begonnen und uns seine Gerechtigkeit geschenkt, indem er uns mit seinem Sohn Jesus Christus verbunden hat. Jetzt zählt nicht mehr, was wir bruchstückhaft mehr oder weniger zu Stande bringen, sondern vielmehr, was Gott an uns, in uns und durch uns wirkt, wenn wir uns seinem Wort aussetzen und ihn so tatsächlich an uns handeln und wirken lassen. So wie Sonne und Regen die Saat aufgehen und wachsen lassen, so lässt Gott auch uns im Glauben, in der Liebe und im Hoffen durch das, was er uns sagt und zuspricht, wachsen und gedeihen. Möge Gott uns die Zeit und den Blick dafür schenken, im Leben immer wieder neu anzufangen, wo es nötig ist, und zu erkennen, was er uns schenkt und wo wir auf den Regen seiner Gerechtigkeit hoffen oder sie auf jeden Fall erwarten dürfen.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Johannesevangelium Kapitel 20, Vers 21 Monatsspruch für April2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mission und Diakonie sind „durch den Auftrag Gottes geforderte Lebensäußerungen der Kirche und ihrer Gemeinden“, so heißt es in der Grundordnung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Wenn eine Kirche oder Gemeinde diese Aufgaben vor Ort und in der Welt nur halbherzig oder gar nicht mehr wahrnimmt, dann wird sie ihrem christlichen Auftrag und ihrer Berufung nicht mehr gerecht.

Jesus Christus, der Auferstandene, beruft und sendet die Apostel mit der Vollmacht aus, sein rettendes Evangelium zu predigen und in seinem Namen Sünden zu vergeben und zwar in aller Welt, bis an der Welt Ende. Dabei geht es nicht darum, dass die Apostel selbst die Welt retten müssten, sondern vielmehr den zu predigen, der die Erlösung der Welt vollbracht hat, „damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 16) Dies geschieht, wenn die Botschaft seiner Auferstehung und die Vergebung, die uns um Christi Willen geschenkt wird, in die Welt hinaus getragen und mit Wort und Tat bezeugt wird. Welch einen Segen und was für einen großen Schatz hat doch der HERR damit seiner Kirche auf Erden anvertraut!

Sind wir uns bewusst, dass auch wir zu dieser wunderbaren, heilvollen und wichtigen Aufgabe durch unsere Taufe berufen sind? Auch wenn die Sendung der Apostel mit einer besonderen Vollmacht und Verantwortung verbunden ist, so ist doch auch jeder Christ Kraft seiner Taufe dazu berufen, in seinem unmittelbaren Umfeld Jesus Christus als den auferstandenen Retter der Welt zu bezeugen.

Dabei sind wir nicht auf uns allein gestellt, sondern haben die feste Zusage, dass Christus bei uns ist „alle Tage, bis an der Welt Ende“ und uns der Heilige Geist die Worte eingeben wird, die wir reden sollen. Es geht auch nicht darum, Menschen mit schlauen Erklärungen und logischen Argumenten zu überzeugen, sondern zuallererst zu bekennen und zu bezeugen, was Christus an uns selbst getan hat.

Christus hat uns genau dazu versprochen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein … bis an das Ende der Erde.“ (Apostelgeschichte 1, 8) Diese Kraft dürfen wir uns in unseren Gottesdiensten, an Gottes Altar und überall, wo wir uns um Gottes Wort sammeln, um darin Trost und Hilfe zu suchen, immer wieder fleißig schenken lassen. Hier erfahren wir SEINE Gegenwart und dürfen für unseren Glauben und unsere Mission auftanken.

Möge der Heilige Geist unsere Herzen entzünden, dass auch wir – erfüllt von der Freude des Ostergeschehens und die damit verbundene Aussicht auf Rettung dieser schuldverstrickten Welt – unseren wunderbaren göttlichen Auftrag in dieser Welt wahrnehmen und unseren Glauben an den Heiland Jesus Christus vor der Welt immer wieder gern und mit Freuden bezeugen.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Man muss GOTT mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5, 29 – Monatsspruch für Juni 2017)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mit „gehorchen“ und „Gehorsam“ haben die meisten Menschen unserer Gesellschaft so ihre Schwierigkeiten, weil sie damit den Verlust der eigenen Selbstbestimmung und die Einschränkung ihrer individuellen Freiheit verbinden. Leider hat die Geschichte auch immer wieder gezeigt und bestätigt, dass blinder Gehorsam abgründig missbraucht werden kann. Dabei ist Gehorsam biblisch und historisch gesehen eine Tugend, die uns Menschen Selbstbeherrschung, Genügsamkeit und Vertrauen abverlangt. Ungehorsam und Treulosigkeit sind die Untugenden, an denen der Mensch und die Gesellschaft krankt.

Wichtig für einen gesunden recht- und die tugendhaften Gehorsam ist letztendlich, wem und welchen Normen man gehorcht, und vor allem, ob dabei auch das Wohl des Gehorchenden berücksichtigt ist. Jeder Mensch folgt bestimmten Normen und Grundsätzen, denen er mal mehr oder weniger gehorsam ist, selbst wenn er sie selbst aufgestellt hat. Aber welche Instanz entscheidet dann noch über richtig und falsch oder gut und böse?

Die Instanz, die tatsächlich allumfassend das Gute, Richtige und vor allem das Wohl aller Im Blick hat, ist allein der allmächtige Gott selbst, der diese Welt und alles, was darinnen ist, geschaffen hat und erhält. Um Gott tatsächlich gehorsam sein zu können, muss man natürlich Gottes Gebote und Gottes Willen auch kennen und sein Wort hören. Erst daran kann man sein eigenes Denken, Reden und Tun wirklich überprüfen.

Es ist nämlich kein Unterschied, ob ich auf äußeren Druck der Gesellschaft, aus Sorge um mein Ansehen, aus Angst vor Benachteiligung oder Spott, Gott den Gehorsam verweigere oder ob ich mir selbst, aus eigenem Anrieb, von Gott nichts sagen lassen will. Wie schwer es sein kann, Gott immer wieder mehr zu gehorchen als den Menschen, zeigen die Apostel und Propheten neben vielen anderen biblischen Gestalten, die mit Gott in Konflikte geraten. Und das nicht nur im gegensätzlichen Gehorsam zwischen Gott und den Menschen, sondern gerade wegen ihres Gottes widerstrebenden Eigenwillen. So gehorcht zum Beispiel der Prophet Jona zuerst nicht dem Befehl Gottes, den Bewohnern Ninives Gottes Gericht zu predigen. Er flieht, und später zürnt er Gott, weil dieser auf die Umkehr der Menschen von Ninive die angedrohte Strafe abwendet. Die Geschichte zeigt, wir Menschen, werden Gott aus eigenem Willen und eigener Kraft nie über alles in der Welt gehorsam sein, wenn Gott uns nicht verändert! Wenn man also will, dass ein Mensch Gott gehorsam wird, dann erreicht man dies nicht durch Forderungen oder Drohungen, sondern indem man seinen Glauben an Christus durch die frohe Botschaft des Evangeliums weckt und stärkt.

In Jesus Christus hat Gott gezeigt, was es heißt, bis zur letzten Konsequenz gehorsam zu sein. „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Philipper-brief 2, 8) Durch seinen Gehorsam haben wir das Leben. Unser Gehorsam gegenüber Gott besteht nun allein darin, auf Christus zu vertrauen. Diese befreiende Botschaft weckt den Glauben an Christus und verändert den Menschen. Der Glaube macht ihn dazu bereit und fähig, Gott gehorsam zu sein. IN CHRISTUS! „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Epheser 2, 10)

Möge der dreieinige Gott uns durch sein Wort leiten und sein Sakrament immer wieder trösten und stärken, dass wir in Christus bleiben und uns im Vertrauen auf Jesu Gehorsam als Jünger unseres HErrn bewähren!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

 

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied. (Johannesevangelium 19, 30)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Was hat Jesus eigentlich am Kreuz vollbracht?“, so hinterfragen viele Menschen bis heute Jesu letzte Worte am Kreuz. Nicht, dass sie diese Frage offen aussprechen oder überhaupt stellen. Sie geben vielmehr gleich die Antwort mit ihrem Reden, Denken und Tun. Es widerspricht einfach unserem Gerechtigkeitssinn und unserer Vernunft, dass der Mensch ohne eigenes Mitwirken, allein durch den Tod Jesu gerettet sein soll.

Dabei offenbart sich gerade in unserm Bedürfnis und unserer Vorstellung, zu unserer Erlösung selbst etwas beitragen zu können, dass wir Jesu einmaligen Opfertod am Kreuz kritisch hinterfragen. Im Zweifel, ob wir Gottes Versprechen in seinem Sohn wirklich hundertprozentig trauen, liegt dann letztlich auch die Ursache der ganzen Schuld und Sünde des Menschengeschlechts, nämlich Misstrauen gegen Gott!

Dieses Misstrauen gegen Gott kommt auch uns Christen einfach immer wieder durch, gerade den scheinbar frommsten und rechtschaffensten unter uns, weil wir einfach nicht verstehen können oder nicht wahrhaben wollen, dass Jesus allein mit seinem Tod am Kreuz  alles für unsere Rettung getan hat.

Jesus der Christus ist ja genau darum die Mitte und das Zentrum der ganzen Offenbarung Gottes und des christlichen Glaubens, weil ER allein mit seinem Opfer für unsere Sünden am Kreuz unsere Erlösung vollbracht hat.

Da drängt es sich ja geradezu auf, das alle christlichen Kirchen  das 500. Gedenkjahr der Reformation ökumenisch als „Christus-Fest“ begehen. Dies ist auf jeden Fall bemerkenswert und verdient Respekt, gerade im Blick auf die gravierenden Ursachen der Auseinandersetzung vor 500 Jahren, wenn allein Christus im Zentrum der Gedenkveranstaltungen stehen soll. Nur entsteht so mittlerweile fast schon der Eindruck, als wäre die Reformation überflüssig gewesen und als würde jede christliche Konfession Christus als den Heiland verkündigen, der allein alles für unsere Rettung vollbracht hat.

Aber merken wir eigentlich noch, wie und was von diesem „allein durch Christus“ von den Kanzeln gepredigt und gelehrt wird? Ob unser Reden, Denken und Tun zum Allheilmittel neben oder sogar über dem Kreuz Jesu proklamiert wird? Welche Rolle spielen die menschlichen Werke und wie wirken sie sich auf unsere Erlösung aus? Wird Jesus nur für einen einzigartigen guten Menschen oder für einen erfolgreichen Religionsstifter neben vielen anderen gehalten?

Dabei sagt Jesus frei und offen:

„Was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ – Gar nichts, denn Gott gibt Alles! Jesus allein, der CHRISTUS, des lebendigen Gottes Sohn, hat unsere Erlösung am Kreuz vollbracht. „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 3, 36)

Mögen uns die voranschreitende Fasten- und Passionszeit helfen, diese befreiende Botschaft neu zu hören und zu fassen und unseren Glauben an IHN mit Gewissheit und Vertrauen zu erfüllen!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

 

Meine Seele wartet auf den HERRN mehr als die Wächter auf den Morgen. (Psalm 130, 6 – Monatsspruch für Dezember)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Wer in seinem Leben schon einmal eine Nachtwache halten musste, weiß wie lang und angespannt eine einzige Nacht sein kann und welche Erlösung der anbrechende Morgen mit sich bringt. Die Verantwortung und Anstrengung zum Beispiel auf den Schultern von Krankenschwestern, Ärzten, Polizisten, Feuerwehrmännern oder auch Soldaten, die nachts in ständiger Bereitschaft sein müssen, um im Ernstfall zum Schutz, zur Sicherheit und zur Hilfe für bedürftige Menschen da zu sein, nehmen wir in unsrer Gesellschaft jedenfalls nur selten oder eher am Rande wahr. Dabei hängt gerade von ihrer Bereitschaft und Wachsamkeit das Leben und die Rettung vieler Menschen ab.

Immer schon waren Menschen darauf angewiesen, dass gerade in der Nacht, wenn alle schliefen, Wächter die Aufgabe übernahmen, die Schlafenden bei Gefahr, plötzlichem Feuer oder Angriffen zu warnen. Wie sehnsüchtig mögen gerade diese Wächter das Licht des neuen Tages erwartet und erlösend empfunden haben, wenn die Last der Verantwortung mit der aufgehenden Sonne von ihnen abfiel?

Wenn wir hingegen von Schmerzen, Sorgen oder Ängste geplagt werden, dann können uns gerade diese Nächte auf leidvolle Weise unheimlich lang und einsam werden, weil wir keinen Schlaf finden und in dieser Zeit niemand da ist, mit dem wir unseren Kummer teilen oder zumindest davon abgelenkt werden. Zum einsamen Kummer kommt das Dunkel der Nacht, in der wir blind und angefochten nicht wissen und sehen, wo es lang geht oder was an Gefahren im Finstern lauert.

Der anbrechende Morgen kommt dann besonders für diese Menschen wie eine befreiende Erlösung, denn im Licht des Tages verschwinden die Schatten der Nacht und was uns umgibt wird sichtbar.

Gottes rettendes Eingreifen in diese Welt mit seinem Kommen in Christus macht uns sehend für seine Güte. Was uns in der Dunkelheit unseres Lebens ängstigt, wird durch sein Licht erhellt und kann uns in seiner Nähe nichts mehr anhaben. Christus spricht:

„Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Johannes 12, 46)

Jesus Christus ist das Licht der Welt. Mit seiner Geburt, seinem Tod und seiner Auferstehung, hat Gott seine Verheißungen – seine angekündigte Hilfe für sein Volk – erfüllt. Christus ist das Licht, das jetzt in der Finsternis dieser Welt und über seiner Kirche scheint.

Wer auf IHN hofft und sehnsüchtig auf SEIN Wiederkommen wartet, der ist schon im Licht des anbrechenden Tages. Möge SEIN Licht auch das Dunkel unseres Leben immer wieder erleuchten und mit Hoffnung und Zuversicht erhellen.

Eine von SEINEM Licht erhellte und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen / Euch

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so laßt uns festhalten an dem Bekenntnis. (Hebräerbrief 4, 14)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mit dem diesjährigen Reformationsfest beginnt das 500jährige Reformationsjubiläum, das unter der ökumenischen Überschrift „gemeinsam frei“ ganz groß über das Jahr 2017 gefeiert werden soll. Der Überlieferung nach soll Dr. Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen als Diskussionsgrundlage gegen die Praxis des Ablasshandels an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. Das Datum wurde zumindest gut 150 Jahre später vom Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen auf den 31. Oktober als Gedächtnistermin für alle Protestanten einheitlich festgesetzt. Seither wird der Tag als Auftakt einer Bewegung gefeiert, welche die Kirche und die Gesellschaft bis heute grundlegend veränderte.

Allerdings lassen sich nicht alle heute vorfindliche Veränderungen und Neuerungen in Kirche und Gesellschaft tatsächlich auf die lutherische Reformation zurückführen, und erst recht nicht mit ihr als richtig und gut begründen. Denn der Begriff Reformation meint – im Sinne des Lutherischen Bekenntnisses – keine NEU-Formierung von Kirche und ihrer Lehre mit dem Anspruch, etwas neu oder besser als vorher zu machen. Vielmehr bedeutet Reformation eine RE-Formierung der Kirche, also die Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Aufstellung und Form.

Dr. Martin Luther war kein Besserwisser und kein Revolutionär. Wenn er von RE-Formation sprach, dann wollte er keine Strukturveränderungen und erst recht keine Kirchenspaltung, sondern die entschiedene Kehrtwendung zu Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen Herrn der Kirche. Das Evangelium von der Vergebung der Sünden, als Geschenk der Gnade Gottes um Christi Willen, wird leider immer wieder durch menschliches Misstrauen gegen Gott und dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, mit menschlichen Vorstellungen überlagert und verdreht. Verkrampfte und selbstverliebte Frömmigkeit, die die Gewissheit des Heils im Tun selbsterdachter Werke sucht oder aber hemmungs- und rücksichtslos ausgelebte Freiheit und Selbstbestimmung, die jegliche Grenzen und Maßstäbe ignoriert und sich in der Beliebigkeit verliert, sind die Folgen. Das war damals so und ist heute nicht anders.

Doch heißt es in der ersten der 95 Thesen, „dass das ganze Leben eines Christen eine Buße sei“, eine entschlossene Kehrtwende zum Herrn der Kirche, und zwar täglich. Die Kirche in der Welt und ihre Glieder leben aus der ständigen Vergebung, die nur durch Christus immer wieder ausgeteilt wird. Die Freiheit, die durchs Evangelium kommt, ist nur durch und mit Christus zu haben. Frei bleiben wir auch nur, indem wir in ständiger Verbindung zu ihm bleiben und vor allem hören und gelten lassen, was er uns sagt. Nur im beständigen Hinhören und Gelten lassen des Wortes Gottes geschieht tägliche RE-Formation. Das ist der Ursprung, zu dem Luther zurückführen wollte. Eine Spaltung der Kirche war nie seine Absicht.

Solche RE-Formation geschieht auch heute noch, wo wir uns fortwährend auf unsere christlichen Wurzeln besinnen und an Gottes Wort orientieren. Genau das hat sich damals im Lutherischen Bekenntnis niedergeschlagen, an dem wir auch deshalb weiterhin festhalten, weil es sich aus dem Wort Gottes ableitet und dies sachgerecht auslegt. So feiern wir zum 500jährigen Reformationsjubiläum nicht den 500. Geburtstag oder das Jubiläum der Entstehung der lutherischen Kirche – auch nicht Dr. Martin Luther – sondern das Lutherische Bekenntnis.

Das Lutherische Bekenntnis will zum Verständnis der Heiligen Schrift anleiten und seine niedergelegten Aussagen wiederum an der Heiligen Schrift bewähren. Die Heilige Schrift, die Bibel, ist nicht aus formalen Gründen die alleinige Quelle für den christlichen Glauben, sondern wegen ihres Inhalts. Allein Christus ist mit seinem Kommen in die Welt, seinem Leben, Sterben und Auferstehen der Grund für die uns von Gott geschenkte Gerechtigkeit. „Nimm Christus aus der Schrift – was bleibt dir noch?“, fragte Dr. Martin Luther einmal. Die Christenheit erkennt in Jesus Gott selbst, der Mensch wurde und dessen Tod und Auferweckung die Menschen von der Macht der Sünde und des Todes befreit – auch heute noch.

Dies aber erkennen wir nicht durch unsere frommen Gefühle oder  unser intensives Nachdenken und Forschen. Sondern, dass wir Sünder sind und in Christus erlöst werden, das muss uns gesagt werden. Allein durch Gottes Wort gelangen Menschen zu dieser Einsicht und zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. So ist dieses Wort noch weit mehr als die Bibel als bloßes Buch. Gottes Wort beinhaltet die mündliche Verkündigung, die Weitergabe der alten Wahrheiten in unser heutiges Leben, die lebendige Stimme des Evangeliums.

Dieses Wort kann man sagen und hören – und wir sollen es auch verstehen. Deshalb hat Dr. Martin Luther ja auch die Bibel ins Deutsche übersetzt und der Predigt im Gottesdienst mehr Raum geschaffen. Aber dieses verkündigte Wort Gottes zielt nicht einzig auf unseren Verstand. Vielmehr wird der wesentliche Inhalt – Christus ist mein Retter, Bruder und Herr – allein durch den Glauben ergriffen und im Bekenntnis ausgedrückt und festgehalten.

Nicht unsere Werke und nicht unsere Mitwirkung an einer Weltverbesserung Gottes, sondern nur unser Vertrauen auf Christus allein bahnt uns den Weg in die Ewigkeit und lässt uns hier schon als Erlöste und freie Kinder Gottes leben. „Schrift und Bekenntnis“, „Allein die Schrift“, „Allein Christus“, „Allein durch das Wort“, „Allein durch den Glauben“ – das ist der Zusammenklang einer zeitlos gültigen RE-Formation, die uns Christen auf die einzige Quelle unseres Glaubens (die Schrift) und den einzigen Grund unseres Glaubens (Christus) hinweist und bekennt.

Dies gilt es mit Gewissheit und ohne Scheu in der Welt und auch im ökumenischen Kontext einzutragen und zu bekennen. Wir sollten uns fragen, mit wieviel Mut zum Bekenntnis und mit wieviel Überzeugungskraft wir heutzutage in die Diskussionen und Entscheidungsprozesse einer säkularisierten Welt gehen, anstatt die Väter der Reformation zu kritisieren. Denn im Gegensatz zu ihnen stehen wir noch in der Bewährung, das gesellschaftliche, kulturelle und geistliche Leben unserer Zeit, mutig und treu zum Lutherischen Bekenntnis der RE-Formation mitzugestalten. Möge Gott uns die Kraft schenken, unseren Glauben mit Christus zu leben, und wie die geistlichen Väter und Mütter unserer Lutherischen Kirche, den Mut, DEN zu bekennen, der uns allein wahre Freiheit schenkt.

Eine beständige RE-Formation des Glaubens, also immer wiederkehrendes Festmachen an Jesus Christus, als Grund und Halt unserer christlichen Freiheit und Erlösung und die Kraft, diesen auch weiterhin mutig in der Welt zu bekennen, wünscht Ihnen / Euch

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, Er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. (Exodus 15, 2 – Monatsspruch für Juni)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Es gehört zu den schönsten Dingen im Leben der christlichen Gemeinde, wenn Christen hin und wieder aufrichtende Glaubenserfahrungen machen und davon berichten. Denn oft gehen solchen persönlichen Erfahrungen quälende Sorgen und schmerzhafte Zweifel voraus. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie unerwartet Probleme und Hindernisse im persönlichen oder Gemeindeleben aufbrechen können. Besonders, wenn solche Ereignisse nach menschlichem Ermessen unlösbar erscheinen, sinkt den Auf-sich-gestellten und Alleingelassenen resigniert und hoffnungslos der Mut.

Wie tröstend ist es dann, in solchen Momenten ein offenes Ohr oder noch besser eine starke helfende Hand zu erfahren, die einen mit den Problemen nicht allein lässt. Eine Hand, die nicht nur auf den weist, der wirklich helfen kann, sondern mit ihrem Gebet, ihrem Anpacken oder ihrer Gabe selbst zur Hilfe wird. Auf solchem Hintergrund erfahrener Hilfe in existentieller Bedrängnis erklingt das zuversichtliche und durchaus mitreißende Bekenntnis: Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, Er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben.

Gott der Herr hat die Not seines Volkes gesehen und es aus der ägyptischen Gefangenschaft sicher herausgeführt. Es gehört zum Glaubensleben dazu, dass wir wiederkehrend auch die Glaubenserfahrung machen können, dass Gott uns in unserer Not nicht nur sieht und hört, sondern dass er auch eingreift und hilft.

Auch, wenn wir uns als lutherische Christen mit Glaubensgefühlen und Erfahrungen oft schwer tun, weil solche Gefühle auch täuschen oder manipuliert werden können, gehören sie doch zu einem lebendigen Glauben dazu. Denn ein nur theoretischer Glaube, der Gottes rettendes Eingreifen nie erfährt, würde recht schnell erkalten und erlöschen. Gerade deshalb sichert uns Christus zu, den Tröster zu senden, der uns nicht nur durch Wort und Sakrament immer wieder im Glauben und in der Hoffnung fest macht, sondern unsere Herzen dadurch immer wieder auch zu Taten helfender Liebe treibt.

So ist Gottes souveränes Eingreifen in der Welt gewiss und im Glauben erkenn- und erfahrbar. Oft genug geht Gottes Hilfe dann auch ganz andere Wege als wir sehen oder uns erdenken, wie auch unsere Rettung durch Jesu Kreuz und Auferstehung. Wie Gott in unseren Gemeinden und unserem Leben konkret wirkt, hilft und erfahrbar wird, mag ganz unterschiedlich sein, wichtig ist allein, dass ER eingreift, damit der Glaube wächst und gestärkt wird, der auf Christus steht und bekennt: ER ist meine Stärke und mein Lobgesang, denn ER ist mir zum Retter geworden.

Wer selbst diese Erfahrung gemacht hat, wie der Herr in seinem Leben oder im Leben seiner Gemeinde zum Retter geworden ist, der wird auch Wege suchen und Mittel finden, denen zu dieser Erfahrung zu verhelfen, die es dringend nötig haben. So wird Gott gewiss auch auf diesen Wegen Menschen seine Rettung erfahren lassen, damit auch sie mit uns einstimmen in den Lobgesang seiner Hilfe und Stärke: Der HERR ist für mich zum Retter geworden!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (1. Petrus 2, 9 – Monatsspruch für April)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Was für ein wunderbarer Zuspruch, den wir da im 1. Petrusbrief hören dürfen: „Ihr seid Berufen und auserwählt – Gottes heiliges Volk.“

Gott liebt alle Menschen, aber nicht alle Menschen wollen davon etwas wissen. Damit sind nicht nur die gemeint, die sein Wort und seine Gottesdienste gering schätzen, sondern auch die, welche meinen, die Seligkeit auf andere Wege zu finden. Die Einstellung, „wer sich müht, ein rechtschaffendes Leben zu führen, dem wird Gott am Ende die kleineren Sünden schon vergeben und den Zugang zum Himmel gewähren“, ist jedoch zutiefst geprägt von Misstrauen gegen Gott.

Unsere Berufung und Auserwählung ist nicht begründet in unserer Leistung oder unserem Bemühen, ein rechtschaffendes Leben zu führen, sondern in unserer bedingungslosen Annahme durch Christus.

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Matthäus 20, 23)

Gott beruft, erleuchtet, heiligt, erhält und sammelt durch den Heiligen Geist. ER macht Menschen zum Volk SEINES Eigentums, indem er in ihnen das Vertrauen auf Christus weckt. Diese klare Botschaft ist ein Schatz der Lutherischen Kirche, den es so in keiner anderen Kirche gibt: Gott handelt und tut allein alles für unsere Erlösung – wir können und müssen nichts dazutun!

Wer anderes lehrt und behauptet, der verachtet Christus und sein Leiden  und Sterben für uns. Denn allein ER hat uns erlöst, „nicht mit Gold oder Silber sondern mit SEINEM Heiligen teuren Blut“. „Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, nahe geworden durch das Blut Christi.“ (Epheser 2, 13) Das ist die „Wohltat“, die er an uns getan hat, die es gilt zu bezeugen und zu verkündigen und vor allem immer wieder daraus zu leben.

Ich wundere mich oft darüber, wie unterschwellig nach manchen Predigten die Seligkeit durch rechtschaffendes Handeln und politisches Engagement für Gerechtigkeit erarbeitet werden muss, und Christen damit zum Misstrauen statt zum Vertrauen gegen Gott angeleitet werden. Wer unter dem Deckmantel des Evangeliums Menschen so irre führt, zeigt an, dass sie vom wahren Glauben – der immer wieder zu Christus flieht und ganz und gar an IHM hängt – nichts begriffen hat. Denn „Glaube“, der nicht zu 100 Prozent auf Christus vertraut, ist letztendlich Unglaube und Misstrauen gegen Gott.

Es steht außer Frage, dass Gottes „auserwähltes und Geheiligtes Volk“ Gutes tun soll und muss. Aber das ist keine Bedingung für Gottes rettendes Handeln an uns, und nur so ist es auch der wunderbarste und trostreichste Zuspruch überhaupt. „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“ (Epheser 2, 4)

Eine gesegnet Passionszeit und ein zuversichtliches Fest der Auferstehung.

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. (Jesaja 49,13 – Monatsspruch für Dezember)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

         Vollmundig klingt der Monatsspruch aus dem Jesajabuch: Die ganze Erde und der Himmel sollen jauchzen und jubeln! Weihnachten ist ja ganz nett, aber ob man wirklich in einen solch überschwänglichen Jubel ausbrechen muss, ist manchem eher fraglich. Bei den Erwachsenen unter uns hat sich längst so etwas wie Festtagsroutine eingestellt. Jedes Jahr derselbe Ablauf. Das haben wir doch schon allzu oft erlebt. Vielmehr blicken ja manche sogar mit einer gewissen Sorge auf die bevorstehenden Festtage, an denen die Familienmitglieder einander ausgeliefert sind, und an denen man sich nicht durch regelmäßige Arbeit oder Verpflichtung aus dem Weg gehen kann. Aber auch bei Menschen, die sich auf Weihnachten freuen, stellt sich nach ein paar Tagen eine Ermüdung der Festtagsfreude ein. Weihnachten kehrt ja auch „alle Jahre wieder“.

Hinter uns liegt ein Jahr mit vielen Terroranschlägen, großer weltpolitischer und wirtschaftlicher Verunsicherung und steigenden Flüchtlingszahlen in aller Welt. Was das kommende Jahr bringt, ist für die ganze Gesellschaft, aber auch für uns als einzelne nicht immer ersichtlich. Zählt man all die negativen Nachrichten zusammen, dann ist einem erst recht nicht zum Jubeln, auch wenn Weihnachtszeit ist.

Allerdings tritt Gott oft auf andere Weise seinen Leuten zur Seite, als die sich das vorstellen. Als der Messias in Bethlehem geboren wurde, wurden nicht auf einmal die himmlischen Heerscharen gegen die römische Besatzungsarmee mobilisiert. Vielmehr zog ein galiläischer Wanderprediger durch Israel, sprach vom Reich Gottes und starb am Kreuz. Vor 2000 Jahren in Bethlehem war Gottes Kommen in diese Welt nicht begleitet von Donner und Dröhnen himmlischer Regimenter, sondern vom Schreien eines Säuglings.

Wir mögen uns das anders vorstellen, aber so unscheinbar ist unser Gott. Heu und Stroh statt Gold und Silber. Und doch ist er genau so bei uns. In Jesus kommt Gott ganz dicht an deine und meine Seite. Er erfährt am eigenen Leib Armut, Heimatlosigkeit, Ablehnung und am Ende sogar den Tod. Gott ist in allem bei dir und bei mir. Wir machen keine Erfahrungen, die unser Gott nicht auch am eigenen Leib durchgemacht hätte.

Das ist die eigentliche Botschaft von Weihnachten. Allerdings sind wir diesbezüglich ziemlich vergesslich. Deshalb feiern wir jedes Jahr wieder Weihnachten: Damit wir daran erinnert werden, dass Gott in diese Welt kam „damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Lukas 3, 16) Warum sollte uns nicht auch einmal wieder unsere ganze Weihnachtsdekoration an den eigentlichen Inhalt des Weihnachtsfestes erinnern?

Denken wir doch mal wieder bewusst an den Lebensweg Jesu, wenn wir unsere Weihnachtskrippe betrachten. Oder machen wir uns bewusst, was die Rauschgoldengel in unseren Fensterbildern, Weihnachts-Pyramiden und Tannenbäumen damals den Hirten gesagt haben. „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“ (Lukas 2, 10+11) Fürchtet euch nicht vor dem was vor Euch oder was hinter Euch liegt.

Erinnert euch daran, dass Gott in diese Welt kam und dass er seither an unserer Seite ist. Daran erinnert uns auch die Weihnachtszeit 2015, und das ist, wenn wir’s ernst nehmen, ein Grund, Himmel und Erde zum Mitfreuen aufzufordern.

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

 

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? (Hiob 2, 10 – Monatsspruch für Oktober)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Wer das Buch Hiob schon einmal gelesen hat, der weiß, dass Hiob in seinem Leben sehr Böses empfangen hat. Es heißt: „Er war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse.“ Umso schlimmer und unverständlicher mag es uns erscheinen, dass ausgerechnet über diesen Mensch das Böse hereinbricht. Hiob verliert seine ganze Familie, sein Hab und Gut und zuletzt auch noch seine Gesundheit.

Und dennoch hält Hiob an Gott fest mit den Worten: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Wie selbstverständlich nehmen wir das Gute in unserem Leben an, ohne immer gleich daran zu denken, wem wir es eigentlich verdanken. Sehr viel schneller und leichter sind wir jedoch mit unserem Zweifel, Hader und Urteil gegen Gott, wenn Böses über uns hereinbricht.

Dabei ist Gott nicht die Ursache der Sünde und des Bösen. Im 19. Artikel des Augsburger Bekenntnisses unserer lutherischen Kirche heißt es, dass „der verkehrte Wille in allen Bösen und Verächtern Gottes die Sünde bewirkt, wie es denn der Wille des Teufels und aller Gottlosen ist, der sich, sobald Gott seine Hand abzog, von Gott weg dem Argen zugewandt hat.“ Sicherlich ist es schwer, mit dieser Glaubensaussage Naturkatastrophen und Krankheiten zu erklären. Viel greifbarer ist das Böse und die Sünde in dem, was Menschen einander antun und durch ihr überhebliches und rücksichtsloses Verhalten auch in globalen Zusammenhängen oft auslösen.

Die Frage nach dem „Warum?“ wird aber für uns in dieser Welt solange unbeantwortet bleiben, solange wir unsere eigene Verantwortung ausklammern und von uns weisen, zumal das Urteil darüber, was „Böse“ ist niemals wirklich objektiv gefällt, sondern immer parteiisch oder aus einer bestimmten Perspektive gesehen wird. Im ersten Teil des Monatsspruches für Oktober hören wir, dass Hiob zuerst Gutes von Gott empfangen hat. Und genau darauf zu schauen und Gott als den Geber aller Guten Gaben zu erkennen und ihn immer wieder genau darum zu bitten, ist die viel wichtigere und vor allem tröstende Perspektive. „Denn auch wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11, 9-13)

Christus ist für unsere Sünde, unsere Bosheit und Ungerechtigkeit gestorben, so dass egal was an Bösem in unserem Leben auch hereinbrechen mag, dies nicht das letzte Wort in unserem Leben bleibt – ja uns auch das Böse nicht mehr trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Hiob durfte das Gute aus der Hand Gottes noch in seinem irdischen Leben erfahren, so können wir es am Ende des Hiobbuches lesen. Doch gerade nicht, weil Hiob so fromm und rechtschaffend war, sondern weil er Buße tat und Gott um Vergebung bat. „Bittet, so wird euch gegeben… Denn wer da bittet, der empfängt.“

Möge Gott uns dafür immer wieder unsere Augen öffnen, dass wir uns zu ihm kehren, in guten und bösen Tagen unseres Lebens. Denn wenn diese Beziehung stimmt, können wir in jeder Lebenslage gewiss sein: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (Römer 14, 8)

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl