Category Archives: Geistliches Wort

Jesus Christus spricht: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. (Matthäus 10, 16 – Monatsspruch für August)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Ein guter Hirte käme wohl kaum auf die Idee, seine Schafe unter ein Wolfsrudel zu schicken, weil er genau weiß, dass die Wölfe über sie herfallen und sie zerreißen würden. Da mag es uns irritieren, warum Jesus, der ja von sich sagt: „Ich bin der gute Hirte“ (Johannes 10, 11), seine Jünger wie Schafe mitten unter die Wölfe sendet.

Aber entspricht Jesu Sendung nicht genau der Wirklichkeit, in der wir Christen uns in dieser Welt wiederfinden? Mit dem Gebot der Nächsten- und Feindesliebe sind wir den scharfzahnigen Angriffen der Welt geradezu wehrlos wie Schafe ausgesetzt. Da müssen wir noch nicht mal auf die jüngsten Christenverfolgungen im nahen Osten oder mittleren Afrika schauen. Sehr deutlich kann man auch hierzulande erfahren, wie Christen immer wieder regelrecht zerrissen werden, wenn sie an Gottes unfehlbarem Wort festhalten und versuchen, in der heutigen Gesellschaft ihr Leben ernsthaft daran auszurichten oder in die Gesellschaft hineinzuwirken. Wer das gewissenhaft versucht, wird wissen, wovon ich rede, und wie Gottes Ruf zur Umkehr zerrissen wird.

Doch wir sind nicht ausgesendet, um gefressen zu werden, sondern von DEM Zeugnis zu geben, DER uns gesandt hat – damit aus den „Wölfen“ „Schafe“ werden. Bei diesem Auftrag sind wir nicht allein und vor allem nicht wehrlos, wie es auf den ersten Blick scheint. Christus hat uns zugesagt, bei uns zu sein „alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 20) Gott selbst steht für das Wirken seiner Botschaft in der Welt ein, Kraft des Heiligen Geistes. An uns liegt es lediglich, diese Botschaft möglichst klug und aufrichtig in Wort und Tat unter die Menschen zu bringen. Nicht umsonst heißt es in einem volkstümlichen Sprichwort „Ehrlich währt am längsten und Lügen haben kurze Beine“, weil sich aufrichtiges Verhalten immer in Wort und Tat erweist und wo es nicht übereinstimmt, sich selbst als falsch und lügnerisch überführt. Darum sagt Jesus auch: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Matthäus 5, 37)

Die größte Gefahr besteht für Christen darin, sich der Mehrheitsmeinung der Welt einfach anzupassen, weil allgemein gültige Wahrheiten nicht mehr akzeptiert werden. Darum ist es umso wichtiger, sich mit klugen Argumenten wehren zu können, genauer Bescheid zu wissen als die Anderen und vor allem auf die Argumente der Welt vorbereitet zu sein, um sich in der Nachfolge Jesu zu behaupten – nicht mit Gewalt – sondern mit dem göttlichen Wort.

Getrost sollen wir gerade unter den Wölfen Christus an unserer Seite wissen, der ja auch von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14, 6) Schließlich haben wir in IHM nicht irgendeinen Hirten, der uns hilflos unter die Wölfe sendet und dann im Stich lässt, sondern in IHM haben wir den guten Hirten, der sein Leben für uns gelassen hat uns vorangeht und sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10, 27-30)

Wer auf SEINE Stimme hört, der muss die Wölfe nicht fürchten, mögen sie auch noch so laut heulen. Möge die vor uns liegende Sommer- und Urlaubszeit, auch dazu dienen, SEINE Stimme neu zu hören.

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. (Philipper 4, 13 – Monatsspruch für Mai)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Hin und wieder kommt es vor, dass ich vor Arbeit und Terminen gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll. Familie und Freundschaften leiden dann zuallererst darunter, weil die Zeit hierfür zu kurz kommt bzw. nicht mehr ausreicht. Oft wirkt sich dies aber auch demotivierend auf die Arbeit in der Gemeinde aus, so dass ich mich in einem tretmühlenartigen Kreislauf wiederfinde, aus dem ich nicht mehr herauskomme.

Wenn dann plötzlich noch zusätzliche Aufgaben in der Gemeinde aufkommen, weil sich jeder selbst in einer solchen Tretmühle wähnt, wird der Druck manchmal so groß, dass ich am liebsten einfach alles hinwerfen möchte. Ein Phänomen, das sicherlich jeder selbst kennt und in unserer Gesellschaft immer häufiger vorkommt. Leider wird das „Hinschmeißen“ auch mit trauriger Bilanz zunehmend von vielen praktiziert.

Doch alles hinschmeißen und weglaufen ist keine Lösung. Was aber gibt einem die Kraft, immer wieder weiterzumachen, die Belastungen auszuhalten und nicht unterzugehen? Der für Christus eifernde Apostel Paulus, der in seinem Bemühen um die Ausbreitung der frohen Botschaft, oft auch an die Grenzen seiner Belastbarkeit kam, sagt uns, worauf es wirklich ankommt: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“

Gemeint ist natürlich Christus, der mit seiner siegreichen Auferstehung, die bitterste Grenze menschlicher Belastbarkeit – den Tod – überwunden und besiegt hat. Als getaufte Kinder Gottes schenkt ER uns Anteil an seiner Macht. Unsere lebendige Verbundenheit mit IHM soll und wird unseren Alltag bestimmen.

Der Apostel Paulus ist nicht nur für diese lebendige Verbundenheit mit dem Auferstandenen ein Beispiel. Vielmehr können wir an den mühsamen und strapaziösen Aufgaben – die er im Dienste des Herrn auf sich nahm – auch die Fülle der Kraft und des Durchhaltevermögens erkennen, das Gott seinen Gläubigen schenken kann. Glauben heißt für den arbeitseifrigen Paulus, auf Gott zu vertrauen, IHM etwas zuzutrauen und IHN auch immer wieder darum zu bitten – gerade dann, wenn er mit seiner Kraft und seinem Können am Ende ist.

Wer so wie Paulus an Christus bleibt, wird erfahren, dass ER ihm immer wieder die nötige Kraft gibt, um die Belastungen des Lebens und der Arbeit geduldig anzupacken und auszuhalten. Im Gottesdienst, wo wir seine Stimme hören, gibt er uns Anteil, an den Gaben seiner Macht teilzuhaben und aus dieser unerschöpflichen Quelle zu schöpfen, um die Belastungen dieser Welt durchzustehen und schließlich auch zu überwinden.

ER wird sich von jedem, der IHN da sucht finden lassen und ihn mit Vertrauen, Zuversicht und Kraft aufrichten und erhalten. Wer in IHM bleibt, der wird bei Schwierigkeiten nicht gleich alles hinwerfen, sondern vielmehr erfahren, dass er durch IHN – vielleicht nicht alles – aber viel mehr als ohne IHN vermag. Der HErr ist auferstanden, ER ist wahrhaftig auferstanden!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. (Römer 1, 16 – Monatsspruch für Februar)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Es gibt viele Dinge auf der Welt, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, weil wir sie für unvernünftig oder peinlich halten. Wer damit in Verbindung steht, läuft Gefahr von der Gesellschaft belächelt, diskriminiert oder zumindest benachteiligt zu werden.

Der Apostel Paulus weiß genau um diese Anstößigkeit des Evangeliums, wenn er sagt, dass es „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“ ist. (1. Korinther 1, 18)

Dabei sollte uns klar sein, dass die Anstößigkeit des Evangeliums nicht in der Predigt von Moral, Anstand und Gerechtigkeit liegt – wie aus Scham unter Christen oft die Botschaft des Evangeliums reduziert, um nicht zu sagen verdreht wird – sondern die Anstößigkeit liegt allein in der Predigt vom gekreuzigten Christus.

Ein Gott vor dem wir uns durch ethisch rechtschaffendes Verhalten oder sonstige gutgemeinte Werke nichts verdienen können, widerspricht unserem Verständnis von Gerechtigkeit.

Ein Gott, der auf seine Allmacht verzichtet und sich menschlicher Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit ausliefert, widerstrebt unserem Streben nach Sicherheit.

Ein Gott, der für unsere Sünden leidet, und sogar an unserer Stelle am Kreuz stirbt, ist unserem Stolz peinlich und verletzend.

Die Predigt vom gekreuzigten Christus wirft jede Form unsrer menschlichen Gerechtigkeit, Moral und Stolz über den Haufen. Darum ist die Botschaft des Evangeliums etwas, das bei uns Menschen Widerstand und Unbehagen auslöst.

Und dennoch ist genau dieses Evangelium „eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“, denn der christliche Glaube hängt am allmächtigen dreieinigen Gott, „dem kein Ding unmöglich ist“. (Lukas 1, 37). Im Glauben liefern wir uns ganz der Allmacht und Barmherzigkeit des Gottes aus, der selbst auf all seine Macht verzichtet, sich ganz dem Mutwillen und der Ungerechtigkeit der Menschen preisgibt, um uns von unserer Sünde und unserem Unglauben zu erlösen.

Dieser Gott lässt sich nicht spotten, sein Gericht und sein Urteil wird die Mächtigen dieser Welt und ihre Urteile aufheben. Wie klein, schwach und erbärmlich wäre Gott, wenn wir – wie andere Religionen vorgeben – für sein Reich kämpfen müssten? Gottes Macht ist in den Schwachen mächtig, das ist die Botschaft des Evangeliums vom Kreuz unseres HErrn Jesus Christus. Mit SEINEM Tod und SEINER Auferstehung bürgt Christus selbst für die Zuverlässigkeit der Offenbarung Gottes. In seinem Handeln liegt die Kraft und die Zuverlässigkeit des Evangeliums.

Weil ER allein unsere Erlösung vollbracht hat und uns in der Taufe diesen Glauben schenkt, ist das Evangelium eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Gut dass Christus sich nicht für uns geschämt hat und selbst in unserer größten Schande zu uns steht.

Mögen uns in der bevorstehende Passionszeit die Kraft und die Bedeutung des Evangeliums von Christus zu Herzen gehen und unseren Glauben an IHN stärken und entflammen!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. (Aus dem Weihnachtsevangelium nach St. Lukas 2, 17+18)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Die Nachricht von die Geburt eines Kindes breitet sich in der Familie und unter Freunden meist schnell aus. Es ist ja auch immer ein höchst freudiges Ereignis, dass sich frühzeitig angekündigt und dann auch sehnsüchtig erwartet wird. Allerdings würden wir uns heute wohl kaum über eine Geburt an sich „wundern“, es sei denn, dass die Umstände der Geburt gravierend von unseren Erfahrungen abweichen.

Als Jesus in Bethlehem geboren wurde breitet sich die Botschaft von seiner Geburt durch die Hirten schnell aus, weil sie von ganz wundersamen Umständen begleitet war und die Hirten mit großer Freude erfüllte. Die Erscheinung eines Engels mitten in der Nacht, der den Hirten verkündigt, dass „Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ geboren ist, würde wohl auch heute bei vielen  Menschen eher Verwunderung auslösen, als Freude über die Botschaft der Geburt des Erlösers selbst.

Darum ist das Erkennungszeichen, für die Geburt des Erlösers, das der Engel des Herrn den Hirten mit auf den Weg gibt, auch so wichtig: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ So haben die Hirten das Kind in Bethlehem auch in einem Stall mit Maria und Josef vorgefunden und gerade in dieser Einfachheit ihren Heiland erkannt. Jetzt war klar, es ist nicht irgendein Kind, sondern es ist „der Heiland, welcher ist Christus, der Herr“.

Gott der Unnahbare und Unendliche durchbricht unsere Erfahrungen und unsere Wirklichkeit und kommt uns Menschen ganz nah, indem er selber ganz Mensch wird und gleichzeitig die ganze Fülle der Gottheit in ihm wohnt, denn „in Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. (Kol 2,9) In Christus ist unsere Erlösung greifbar, fest und zuverlässig in diese Welt gekommen. Ist das nicht das größte und schönste Wunder überhaupt?

Viele Menschen sind von dem geschichtlichen Ereignis der Geburt Jesu fasziniert und versuchen jedes Jahr zu Weihnachten ein Stück dieser Stimmung und der Freude der Christen mitzubekommen. Dass es aber bei der Geburt um viel mehr geht, als nur um die scheinbar romantische und wundersame Geburt eines Kindes in einem Stall zu Bethlehem, bleibt leider von vielen unerkannt.

Dabei ist die „Weihnachtsfreude“ gerade da am nächsten, „wo die größte Unruhe des Gewissens ist“, wie Martin Luther in einer Weihnachtspredigt sagt. „Es wird diese Freude wohl allem Volk angeboten, aber doch sind dieser Freude allein die fähig, die erschrockenen Gewissens und betrübten Herzens sind. Welche ohne Furcht und Anfechtung sind, bedürfen dieses Heilandes nicht; die armen Sünder aber, die in Furcht und Schrecken liegen, bedürfen sein. Denen ist Christus der Herr, zu Bethlehem geboren.“ Gebe Gott, dass wir das Wunder seiner Menschwerdung in rechter Freude fassen und behalten mögen!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl.

 

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen. (Sirach 35, 10 – Monatsspruch für Oktober)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

          Wenn wir heutzutage an Opfer denken, dann fallen uns wahrscheinlich zuerst zeitliche und finanzielle Entbehrungen ein, die wir aufbringen, um uns zum Beispiel einen schönen Urlaub oder ein neues Auto zu leisten.

          Opfern bedeutet tatsächlich, etwas Wertvolles oder Kostbares abzugeben, um damit einen höheren Zweck zu verfolgen oder ein höheres Ziel zu erreichen. Wer so motiviert etwas gibt und ein Ziel vor Augen hat, für den hat am Ende das Erreichte auch einen ganz besonderen Wert, weil er weiß, warum und wofür er es tut und was es kostet.

          Im biblischen Sinn erinnern uns Opfer an die Hingabe Jesu für uns. ER gab sich selbst als Opfer, um uns ohne unser Zutun von unseren Sünden zu erlösen. Das ist der Kern des Evangeliums. Denn nicht durch unsere Opfer sind wir von Gott angenommen, sondern allein um Christi Willen. SEIN Opfer zeigt uns, wie sehr Gott uns liebt.

          Was könnten wir Gott auch schon geben, was er uns nicht zuvor gegeben hat? Wenn Gott von uns also etwas fordert, dann geht es nicht um eine Beeinflussung oder gar Bestechung Gottes, sondern vielmehr um den Ausdruck unserer Dankbarkeit IHM gegenüber und die Wertschätzung der Dinge, mit denen ER unser Leben täglich erhält.

          Gott, dem Schöpfer und Geber, von dem wir alles haben, gilt es also „gern, reichlich und ohne zu geizen“ die Ehre zu erweisen. Wer das im Glauben erkannt hat, wird immer wieder auch dankbar erkennen, das Gott uns tatsächlich täglich so reichlich versorgt, dass wir dies durch fröhliches Geben auch zeigen können. Keiner wird zu wenig oder zu viel haben, um damit nicht zeigen zu können, woran sein Herz wirklich hängt.

          Die Einstellung, „Gott habe das nicht nötig“, ist egoistisch und selbstgerecht, um nicht zu sagen undankbar. Gerade in der Zeit des Wohlstandes, mit dem unser Land unbestreitbar gesegnet ist, wird Gott als Geber und Schöpfer fast völlig vergessen. Dabei hat Gott auch die Macht, alles wieder zu nehmen, was er uns gibt – am Ende auch das Ewige Leben. Wenn ich seine Schöpfergaben und das Opfer seines Sohnes als selbstverständlich ansehe, dann ist meine Liebe und mein Vertrauen in IHN längst erkaltet, wenn nicht gar tot.

          Ich wundere mich immer wieder über Gottes Geduld, die er mit uns Menschen hat, und mit der er uns nachgeht. Ich bin dankbar, dass er uns in Christus immer wieder zeigt, wie sehr er uns liebt und dass ER alles gibt, was ihm teuer ist, um uns zu erlösen. Schön, dass er es uns sonntags in seiner Kirche immer wieder deutlich sagt, schmecken und erfahren lässt!

          Diesen Gott zu ehren, sollte uns nicht schwer fallen. Im Gegenteil, gern und reichlich, ohne zu geizen, dürfen auch wir ihm unsere Liebe zeigen. Dies nicht nur zum Erntedankfest, sondern regelmäßig zu tun, wird unserer Beziehung zu IHM auf keinen Fall schaden, sondern sie wie jede lebendige Beziehung kräftigen und vertiefen.

          Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl.

Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. (Galaterbrief 5, 22-23 – Monatsspruch für Juni)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Es gibt auch in bestimmten christlichen Kreisen die Vorstellung, wonach man den Heiligen Geist fühlen und spüren kann, weil dieser im Menschen bestimmte Glücksgefühle oder ekstatische Phänomene hervorruft. Dagegen spricht der Apostel Paulus vom Heiligen Geist sehr viel nüchterner: Er macht deutlich, dass der Heilige Geist zunächst und vor allem den Glauben an Christus und das Bekenntnis zu Ihm bewirkt: „Niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den heiligen Geist.“ (1.Korinther 12,3) Das Bekenntnis zu Jesus Christus als unserem Herrn ist also nicht etwas, worauf jeder Mensch mit etwas Nachdenken und gutem Willen auch selber kommen kann. Vielmehr formuliert Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus sehr treffend: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten.“ Wie Menschen dies für sich erleben, dass sie zu Christus kommen, kann dabei sehr unterschiedlich sein; auf die Art des Erlebens kommt es auch nicht an. Es gibt Menschen, die durch die Botschaft von Jesus Christus so etwas wie eine plötzliche, spontane Lebenswende erfahren haben, die mit einem Mal erkannt haben, was Jesus Christus für sie und ihr Leben bedeutet. Andere sind vielleicht von Kindheit an in den Glauben an Jesus Christus hineingewachsen und haben nie irgendeinen besonderen Bruch in ihrem Leben erfahren. Wieder andere sind vielleicht zunächst eher oberflächlich mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen und haben dann erst später, nach einer ganzen Weile, erfahren und gemerkt, wie das Evangelium auch sie geprägt und verändert hat und ihnen nun doch ganz wichtig geworden ist, was sie zunächst nur aus einem gewissen Abstand wahrgenommen hatten. Das Wirken des Heiligen Geistes kann sich in der Lebensgeschichte von Menschen also ganz unterschiedlich widerspiegeln; doch immer wieder führt es zum Bekenntnis zu Jesus Christus, unserem Herrn. Und dieser Glaube wirkt sich dann auch weiter aus im Leben eines Christen, so stellt es uns der Apostel Paulus vor Augen. Die größten Gaben und Wirkungen des Heiligen Geistes bestehen dabei nicht darin, dass ein Mensch feurige Reden über den christlichen Glauben halten kann oder immer fröhlich und vergnügt ist. Sondern die größte Gabe des Heiligen Geistes ist die Liebe, die ganz nüchterne Zuwendung zum Nächsten in der christlichen Gemeinde und darüber hinaus. Der Heilige Geist zeigt sich also nicht zuerst und vor allem in spektakulären Phänomenen, sondern er bewirkt die Bereitschaft, in der Gemeinde den anderen auch ganz unauffällig zu dienen, sich aus dieser Gemeinschaft nicht auszuklinken und nur das zu tun, was einem selber Spaß macht, und Er wirkt die Geduld, mit der man das trägt, was Gott einem im Leben auferlegt.

Möge Gottes Heiliger Geist auch weiterhin seine Gaben reichlich über unsere Gemeinden und unsere Kirche ausgießen!

Ihr/Euer Pfr Tino Bahl

 

Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. (Johannes 16, 20 – Monatsspruch für April)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Sorgen und Probleme kennt jeder von uns zur Genüge, aber wenn sie besonders groß sind und vielleicht sogar lange andauern und überhand nehmen, dann schlagen sie in Form von Traurigkeit auf unser Lebensgefühl.

Oft sind die Ursachen von Traurigkeit aber nicht nur große oder anhaltende Sorgen sondern Zukunftsängste und Zweifel an dem, was uns doch sonst Halt im Leben gibt. Anders ausgedrückt könnte man sagen: Traurig ist, wer die Hoffnung verloren hat. Und selbst mit und trotz unseres Glaubens können wir manchmal ganz schön traurig sein.

Ich frage mich dann schon manchmal, ob Gott mich in meiner Situation und die Anfechtung, die Probleme auf meinen Glauben haben, wirklich ernst nimmt? Wenn wir den ganze Vers zum Monatsspruch April lesen – mit dem die österliche Freudenzeit in diesem Jahr überschrieben ist – hören wir: „Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Es ist also vorhergesagt, das wir auch als Christen trotz unseres Glaubens – vielleicht auch manchmal gerade um unseres Glaubens Willen traurig sein werden. Allzu oft sind wir ja für unsere Belastungen und Schwierigkeiten mitverantwortlich, weil wir selbst die Wege eingeschlagen haben, die hin und wieder als Sackgassen enden und aus denen wir aus eigener Kraft nicht mehr herausfinden. Hoffnungsvoll, tröstend und vor allem wegweisend ist aber gerade dann Gottes Zuspruch: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Damit Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit aufhören und in Freude verwandelt werden, muss aber etwas passieren. Doch genau das ist längst am Ostermorgen geschehen. Zum Osterfest und an jedem Sonntag werden wir daran erinnert, dass der Grund zur Freude und Hoffnung auch für unser Leben schon längst gelegt ist. In Christi Auferstehung ist sein Sieg über den Tod und die Macht der Sünde sichtbar geworden.

Wer sich im Gottesdienst daran erinnern lässt, kann immer wieder erfahren, dass die Verwandlung von Traurigkeit in Freude tatsächlich auch erlebbar ist. Besonders die leidigen Sorgen des Lebens erscheinen in einem ganz anderen Licht, wenn sie gleich wie die Dunkelheit der aufgehenden Morgensonne weicht, von der Hoffnung auf die Auferstehung durchdrungen werden. Weil aber die Zweifel und Anfechtung im Glauben auf dieser Welt immer wieder kommen, ist es umso wichtiger, sich regelmäßig der siegreichen Auferstehung unseres Herrn Christus zu erinnern und zu vergewissern: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ In dieser Gewissheit möge Christus auch Ihre/Deine Traurigkeit immer wieder in Freude und Hoffnung verwandeln!

Ein gesegnetes und fröhliches Osterfest wünscht,

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl.

Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.

Deutschland gehört zu den Ländern der Welt, in denen es den Menschen materiell und finanziell mit am besten geht, aber es gibt wohl kaum ein anderes Land, in dem so viel gemeckert und geklagt wird. Was bezwecken wir eigentlich mit unserem Reden, wenn wir kritisieren und schimpfen? Wissen wir wirklich immer alle Hintergründe oder die Lösung aller Probleme?

Oft bauen wir mit unserer Unzufriedenheit und unserm Klagen Ängste und depressive Stimmungen auf, anstatt uns über das Gute im Leben zu freuen oder es zu teilen. Besonders mit dem, was wir reden, könnten wir doch denen so viel Segen bringen, die es hören. Der Apostel Paulus hat dabei das Wort Gottes im Blick, das wir nicht nur in unseren Herzen, sondern auch in den Gesprächen mit unseren Mitmenschen bewegen sollen. „Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ So sagt Christus im Lukasevangelium (Lk 6, 45) Doch damit uns der Mund davon übergeht, müssen wir es selbst erst einmal im Herzen haben.

Dabei ist Gottes Wort so erbaulich und gut, weil ER hält, was ER verspricht, besonders im Blick auf die Lösung von Schuld und Anklage. Und wer sich darauf verlässt, dem wird es tatsächlich zum Segen.

Im Gegensatz zu uns hätte Gott tatsächlich Grund zu klagen, weil seine Kirchen oft so leer sind und weil die Menschen lieber IHM und anderen Vorwürfe machen, als ihre eigene Unzulänglichkeit und Schuld zu überdenken.

In jeder Anklage und jedem Vorwurf steckt nämlich nicht nur ein Urteil über den Nächsten, sondern indirekt auch das Urteil über uns selbst. Denn wer die Schuld immer nur bei den Anderen sieht, der rechtfertigt sich selbst und verlässt sich nicht auf die allein rechtfertigende Gnade Jesu Christi, der doch gerade für uns ans Kreuz gegangen ist, damit wir uns nicht selbst rechtfertigen müssen.

Ich denke, um SEINETwillen ist es einen Versuch wert, in der vor uns liegenden Fastenzeit mal auf überflüssige und anklagende Worte zu verzichten, und dafür IHM und SEINEM Wort in unserem Alltag etwas mehr Raum zu geben. Das wird sich bestimmt nicht nur auf uns selbst segensreich auswirken!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fasten- und Passionszeit!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; (Jesaja 9, 5)

Kinder bereiten uns doch immer wieder große Freude. Es gibt wohl kaum erfüllteres Glück, als wenn wir durch glückliche Kinder erfreut werden. Vielleicht versuchen wir aus diesem Grund Kinder immer wieder so zu beschenken oder Gutes zu tun, dass wir an ihrer Freude teilhaben und davon ganz erfüllt werden.

Erstaunlich ist dann, dass Erwachse in der Gegenwart von solch fröhlichen Kindern, oft selbst wieder wie Kinder werden. Sie vergessen ihre Sorgen und fangen an wie Kinder zu lachen, zu reden und sogar zu spielen. Egal wie tief wir in unserem „Erwachsenen-Alltag“ gefangen sind, Kinder helfen uns da herauszukommen und das zu sein, was wir vor Gott sind: Kinder.

Leider vergessen wir Erwachsenen das immer wieder, weil unser Leben nicht so unbeschwert bleibt, wie es einmal begonnen hat.

Doch gerade in dieser unbeschwerten und vertrauensvollen Art äußert sich der kindliche Glaube, durch den wir zu Gott rufen: Abba, lieber Vater!

Darum beschenkt uns Gott wie Kinder mit einem Kind, damit wir durch dieses Kind selbst wieder ganz Kind sein können. Ein Kind dass uns vorbehaltlos und uneigennützig zeigt, wie treu und zuverlässig Gott zu seinen Kindern steht, ein Kind, dass für unsere Schuld eintritt und uns heilt.

Gerade darin unterscheidet sich dieses Kind von Bethlehem dann von allen anderen Kindern – indem es die Herrschaft, die auf seinen Schultern ruht – einsetzt um uns zu erlösen.

Dieses Kind wird gerade für die Kleinen und Schutzlosen eintreten. Christus ruft die Kinder zu sich und „er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“ Und er stellt gerade die Kinder als ein Beispiel für den Glauben hin, zu dem auch wir berufen sind.

Denken wir also in dieser Adventszeit und an diesem vor uns liegenden Weihnachtsfest nicht nur daran, wie wir unsere Kinder und andere Menschen beschenken können, sondern vor allem daran, wie wir durch den menschgewordenen Sohn Gottes – der uns geboren ist – reich beschenkte und herzlich geliebte Kinder Gottes sind! Denn das gilt nicht nur für Weihnachten sondern das ganze Jahr.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Adventszeit, ein fröhliches Weihnachtsfest und einen zuversichtlichen Jahresanfang 2014!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, denn an solchen Opfern hat Gott gefallen. (Hebräer 13, 16)

Vor ein paar Tagen wurde der Deutsche Bundestag neu gewählt und wir erwarten eine neue Regierung. Gnadenlos haben die Parteien im Wahlkampf um jede einzelne Stimme gekämpft, um die Machtverhältnisse zu klären und eine regierungsfähige Mehrheit zu bekommen. Welche Partei würde nach dem Wahlergebnis noch auf die Idee kommen, ihre gewonnen Mandate zu teilen und an die Verlierer Sitze abzugeben?

Es kostet oft Überwindung, das was man einmal hat, zu teilen und etwas davon abzugeben. Wir sind ja schon bereit zu teilen und auch gern etwas abzugeben, doch allzu oft nur dort, wo wir auch einen Nutzen für uns selber sehen. Wenn es zum Beispiel um Geschenke für Angehörige oder um ein Sparbuch für die Enkel geht, die sich ja hoffentlich dankbar erweisen, dann geben wir mit Freude.

Wenn es aber um die Nachbarn, die Arbeitskollegen oder uns nicht nahestehenden Menschen geht, fällt uns das Teilen oft nicht so leicht. Wir wägen ab und beurteilen die Menschen, ob sie Hilfe brauchen und ob sie überhaupt würdig sind, Hilfe zu empfangen. Tatsächlich sind aber viele Menschen existentiell darauf angewiesen, dass wir mit Ihnen teilen.

Der allmächtige Gott hingegen ist auf unsere Opfer nicht angewiesen. Was könnten wir dem Schöpfer der Welt auch zurückgeben, um ihm unsere Dankbarkeit zu zeigen? Obwohl uns das wahrscheinlich leichter von der Hand ginge, Gott etwas zu opfern, als unseren Nachbarn und Mitmenschen etwas abzugeben.

Doch drücken wir unsere Dankbarkeit gegenüber dem dreieinigen Gott am besten aus, indem wir die uns von IHM anvertrauten Gaben mit anderen teilen und einen Teil unseres Wohlstandes dem Nächsten „opfern“. Sicherlich sind da nicht unbedingt Wählerstimmen oder Sitze im Bundestag gemeint – aber alles womit wir selbst an Gutem und Wertvollem in unserem Leben von Gott gesegnet sind.

Teilen ist also etwas Gutes, vor allem wenn es ohne Berechnung und Ansehen der Person geschieht. Denn so teilt und schenkt Christus uns reichlich und vorbehaltlos Alles, was ER uns erworben hat: Vergebung und ewiges Leben. Das haben wir! Lassen wir uns immer wieder daran erinnern, indem wir dankbar teilen und Gutes tun, womit uns der dreieinige Gott in unserem Leben gesegnet hat.

In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes Erntedankfest!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl