Category Archives: Geistliches Wort

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. (Römer 1, 16 – Monatsspruch für Februar)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Es gibt viele Dinge auf der Welt, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, weil wir sie für unvernünftig oder peinlich halten. Wer damit in Verbindung steht, läuft Gefahr von der Gesellschaft belächelt, diskriminiert oder zumindest benachteiligt zu werden.

Der Apostel Paulus weiß genau um diese Anstößigkeit des Evangeliums, wenn er sagt, dass es „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“ ist. (1. Korinther 1, 18)

Dabei sollte uns klar sein, dass die Anstößigkeit des Evangeliums nicht in der Predigt von Moral, Anstand und Gerechtigkeit liegt – wie aus Scham unter Christen oft die Botschaft des Evangeliums reduziert, um nicht zu sagen verdreht wird – sondern die Anstößigkeit liegt allein in der Predigt vom gekreuzigten Christus.

Ein Gott vor dem wir uns durch ethisch rechtschaffendes Verhalten oder sonstige gutgemeinte Werke nichts verdienen können, widerspricht unserem Verständnis von Gerechtigkeit.

Ein Gott, der auf seine Allmacht verzichtet und sich menschlicher Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit ausliefert, widerstrebt unserem Streben nach Sicherheit.

Ein Gott, der für unsere Sünden leidet, und sogar an unserer Stelle am Kreuz stirbt, ist unserem Stolz peinlich und verletzend.

Die Predigt vom gekreuzigten Christus wirft jede Form unsrer menschlichen Gerechtigkeit, Moral und Stolz über den Haufen. Darum ist die Botschaft des Evangeliums etwas, das bei uns Menschen Widerstand und Unbehagen auslöst.

Und dennoch ist genau dieses Evangelium „eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“, denn der christliche Glaube hängt am allmächtigen dreieinigen Gott, „dem kein Ding unmöglich ist“. (Lukas 1, 37). Im Glauben liefern wir uns ganz der Allmacht und Barmherzigkeit des Gottes aus, der selbst auf all seine Macht verzichtet, sich ganz dem Mutwillen und der Ungerechtigkeit der Menschen preisgibt, um uns von unserer Sünde und unserem Unglauben zu erlösen.

Dieser Gott lässt sich nicht spotten, sein Gericht und sein Urteil wird die Mächtigen dieser Welt und ihre Urteile aufheben. Wie klein, schwach und erbärmlich wäre Gott, wenn wir – wie andere Religionen vorgeben – für sein Reich kämpfen müssten? Gottes Macht ist in den Schwachen mächtig, das ist die Botschaft des Evangeliums vom Kreuz unseres HErrn Jesus Christus. Mit SEINEM Tod und SEINER Auferstehung bürgt Christus selbst für die Zuverlässigkeit der Offenbarung Gottes. In seinem Handeln liegt die Kraft und die Zuverlässigkeit des Evangeliums.

Weil ER allein unsere Erlösung vollbracht hat und uns in der Taufe diesen Glauben schenkt, ist das Evangelium eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Gut dass Christus sich nicht für uns geschämt hat und selbst in unserer größten Schande zu uns steht.

Mögen uns in der bevorstehende Passionszeit die Kraft und die Bedeutung des Evangeliums von Christus zu Herzen gehen und unseren Glauben an IHN stärken und entflammen!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. (Aus dem Weihnachtsevangelium nach St. Lukas 2, 17+18)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Die Nachricht von die Geburt eines Kindes breitet sich in der Familie und unter Freunden meist schnell aus. Es ist ja auch immer ein höchst freudiges Ereignis, dass sich frühzeitig angekündigt und dann auch sehnsüchtig erwartet wird. Allerdings würden wir uns heute wohl kaum über eine Geburt an sich „wundern“, es sei denn, dass die Umstände der Geburt gravierend von unseren Erfahrungen abweichen.

Als Jesus in Bethlehem geboren wurde breitet sich die Botschaft von seiner Geburt durch die Hirten schnell aus, weil sie von ganz wundersamen Umständen begleitet war und die Hirten mit großer Freude erfüllte. Die Erscheinung eines Engels mitten in der Nacht, der den Hirten verkündigt, dass „Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ geboren ist, würde wohl auch heute bei vielen  Menschen eher Verwunderung auslösen, als Freude über die Botschaft der Geburt des Erlösers selbst.

Darum ist das Erkennungszeichen, für die Geburt des Erlösers, das der Engel des Herrn den Hirten mit auf den Weg gibt, auch so wichtig: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ So haben die Hirten das Kind in Bethlehem auch in einem Stall mit Maria und Josef vorgefunden und gerade in dieser Einfachheit ihren Heiland erkannt. Jetzt war klar, es ist nicht irgendein Kind, sondern es ist „der Heiland, welcher ist Christus, der Herr“.

Gott der Unnahbare und Unendliche durchbricht unsere Erfahrungen und unsere Wirklichkeit und kommt uns Menschen ganz nah, indem er selber ganz Mensch wird und gleichzeitig die ganze Fülle der Gottheit in ihm wohnt, denn „in Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. (Kol 2,9) In Christus ist unsere Erlösung greifbar, fest und zuverlässig in diese Welt gekommen. Ist das nicht das größte und schönste Wunder überhaupt?

Viele Menschen sind von dem geschichtlichen Ereignis der Geburt Jesu fasziniert und versuchen jedes Jahr zu Weihnachten ein Stück dieser Stimmung und der Freude der Christen mitzubekommen. Dass es aber bei der Geburt um viel mehr geht, als nur um die scheinbar romantische und wundersame Geburt eines Kindes in einem Stall zu Bethlehem, bleibt leider von vielen unerkannt.

Dabei ist die „Weihnachtsfreude“ gerade da am nächsten, „wo die größte Unruhe des Gewissens ist“, wie Martin Luther in einer Weihnachtspredigt sagt. „Es wird diese Freude wohl allem Volk angeboten, aber doch sind dieser Freude allein die fähig, die erschrockenen Gewissens und betrübten Herzens sind. Welche ohne Furcht und Anfechtung sind, bedürfen dieses Heilandes nicht; die armen Sünder aber, die in Furcht und Schrecken liegen, bedürfen sein. Denen ist Christus der Herr, zu Bethlehem geboren.“ Gebe Gott, dass wir das Wunder seiner Menschwerdung in rechter Freude fassen und behalten mögen!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl.

 

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen. (Sirach 35, 10 – Monatsspruch für Oktober)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

          Wenn wir heutzutage an Opfer denken, dann fallen uns wahrscheinlich zuerst zeitliche und finanzielle Entbehrungen ein, die wir aufbringen, um uns zum Beispiel einen schönen Urlaub oder ein neues Auto zu leisten.

          Opfern bedeutet tatsächlich, etwas Wertvolles oder Kostbares abzugeben, um damit einen höheren Zweck zu verfolgen oder ein höheres Ziel zu erreichen. Wer so motiviert etwas gibt und ein Ziel vor Augen hat, für den hat am Ende das Erreichte auch einen ganz besonderen Wert, weil er weiß, warum und wofür er es tut und was es kostet.

          Im biblischen Sinn erinnern uns Opfer an die Hingabe Jesu für uns. ER gab sich selbst als Opfer, um uns ohne unser Zutun von unseren Sünden zu erlösen. Das ist der Kern des Evangeliums. Denn nicht durch unsere Opfer sind wir von Gott angenommen, sondern allein um Christi Willen. SEIN Opfer zeigt uns, wie sehr Gott uns liebt.

          Was könnten wir Gott auch schon geben, was er uns nicht zuvor gegeben hat? Wenn Gott von uns also etwas fordert, dann geht es nicht um eine Beeinflussung oder gar Bestechung Gottes, sondern vielmehr um den Ausdruck unserer Dankbarkeit IHM gegenüber und die Wertschätzung der Dinge, mit denen ER unser Leben täglich erhält.

          Gott, dem Schöpfer und Geber, von dem wir alles haben, gilt es also „gern, reichlich und ohne zu geizen“ die Ehre zu erweisen. Wer das im Glauben erkannt hat, wird immer wieder auch dankbar erkennen, das Gott uns tatsächlich täglich so reichlich versorgt, dass wir dies durch fröhliches Geben auch zeigen können. Keiner wird zu wenig oder zu viel haben, um damit nicht zeigen zu können, woran sein Herz wirklich hängt.

          Die Einstellung, „Gott habe das nicht nötig“, ist egoistisch und selbstgerecht, um nicht zu sagen undankbar. Gerade in der Zeit des Wohlstandes, mit dem unser Land unbestreitbar gesegnet ist, wird Gott als Geber und Schöpfer fast völlig vergessen. Dabei hat Gott auch die Macht, alles wieder zu nehmen, was er uns gibt – am Ende auch das Ewige Leben. Wenn ich seine Schöpfergaben und das Opfer seines Sohnes als selbstverständlich ansehe, dann ist meine Liebe und mein Vertrauen in IHN längst erkaltet, wenn nicht gar tot.

          Ich wundere mich immer wieder über Gottes Geduld, die er mit uns Menschen hat, und mit der er uns nachgeht. Ich bin dankbar, dass er uns in Christus immer wieder zeigt, wie sehr er uns liebt und dass ER alles gibt, was ihm teuer ist, um uns zu erlösen. Schön, dass er es uns sonntags in seiner Kirche immer wieder deutlich sagt, schmecken und erfahren lässt!

          Diesen Gott zu ehren, sollte uns nicht schwer fallen. Im Gegenteil, gern und reichlich, ohne zu geizen, dürfen auch wir ihm unsere Liebe zeigen. Dies nicht nur zum Erntedankfest, sondern regelmäßig zu tun, wird unserer Beziehung zu IHM auf keinen Fall schaden, sondern sie wie jede lebendige Beziehung kräftigen und vertiefen.

          Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl.

Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. (Galaterbrief 5, 22-23 – Monatsspruch für Juni)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Es gibt auch in bestimmten christlichen Kreisen die Vorstellung, wonach man den Heiligen Geist fühlen und spüren kann, weil dieser im Menschen bestimmte Glücksgefühle oder ekstatische Phänomene hervorruft. Dagegen spricht der Apostel Paulus vom Heiligen Geist sehr viel nüchterner: Er macht deutlich, dass der Heilige Geist zunächst und vor allem den Glauben an Christus und das Bekenntnis zu Ihm bewirkt: „Niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den heiligen Geist.“ (1.Korinther 12,3) Das Bekenntnis zu Jesus Christus als unserem Herrn ist also nicht etwas, worauf jeder Mensch mit etwas Nachdenken und gutem Willen auch selber kommen kann. Vielmehr formuliert Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus sehr treffend: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten.“ Wie Menschen dies für sich erleben, dass sie zu Christus kommen, kann dabei sehr unterschiedlich sein; auf die Art des Erlebens kommt es auch nicht an. Es gibt Menschen, die durch die Botschaft von Jesus Christus so etwas wie eine plötzliche, spontane Lebenswende erfahren haben, die mit einem Mal erkannt haben, was Jesus Christus für sie und ihr Leben bedeutet. Andere sind vielleicht von Kindheit an in den Glauben an Jesus Christus hineingewachsen und haben nie irgendeinen besonderen Bruch in ihrem Leben erfahren. Wieder andere sind vielleicht zunächst eher oberflächlich mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen und haben dann erst später, nach einer ganzen Weile, erfahren und gemerkt, wie das Evangelium auch sie geprägt und verändert hat und ihnen nun doch ganz wichtig geworden ist, was sie zunächst nur aus einem gewissen Abstand wahrgenommen hatten. Das Wirken des Heiligen Geistes kann sich in der Lebensgeschichte von Menschen also ganz unterschiedlich widerspiegeln; doch immer wieder führt es zum Bekenntnis zu Jesus Christus, unserem Herrn. Und dieser Glaube wirkt sich dann auch weiter aus im Leben eines Christen, so stellt es uns der Apostel Paulus vor Augen. Die größten Gaben und Wirkungen des Heiligen Geistes bestehen dabei nicht darin, dass ein Mensch feurige Reden über den christlichen Glauben halten kann oder immer fröhlich und vergnügt ist. Sondern die größte Gabe des Heiligen Geistes ist die Liebe, die ganz nüchterne Zuwendung zum Nächsten in der christlichen Gemeinde und darüber hinaus. Der Heilige Geist zeigt sich also nicht zuerst und vor allem in spektakulären Phänomenen, sondern er bewirkt die Bereitschaft, in der Gemeinde den anderen auch ganz unauffällig zu dienen, sich aus dieser Gemeinschaft nicht auszuklinken und nur das zu tun, was einem selber Spaß macht, und Er wirkt die Geduld, mit der man das trägt, was Gott einem im Leben auferlegt.

Möge Gottes Heiliger Geist auch weiterhin seine Gaben reichlich über unsere Gemeinden und unsere Kirche ausgießen!

Ihr/Euer Pfr Tino Bahl

 

Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. (Johannes 16, 20 – Monatsspruch für April)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Sorgen und Probleme kennt jeder von uns zur Genüge, aber wenn sie besonders groß sind und vielleicht sogar lange andauern und überhand nehmen, dann schlagen sie in Form von Traurigkeit auf unser Lebensgefühl.

Oft sind die Ursachen von Traurigkeit aber nicht nur große oder anhaltende Sorgen sondern Zukunftsängste und Zweifel an dem, was uns doch sonst Halt im Leben gibt. Anders ausgedrückt könnte man sagen: Traurig ist, wer die Hoffnung verloren hat. Und selbst mit und trotz unseres Glaubens können wir manchmal ganz schön traurig sein.

Ich frage mich dann schon manchmal, ob Gott mich in meiner Situation und die Anfechtung, die Probleme auf meinen Glauben haben, wirklich ernst nimmt? Wenn wir den ganze Vers zum Monatsspruch April lesen – mit dem die österliche Freudenzeit in diesem Jahr überschrieben ist – hören wir: „Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Es ist also vorhergesagt, das wir auch als Christen trotz unseres Glaubens – vielleicht auch manchmal gerade um unseres Glaubens Willen traurig sein werden. Allzu oft sind wir ja für unsere Belastungen und Schwierigkeiten mitverantwortlich, weil wir selbst die Wege eingeschlagen haben, die hin und wieder als Sackgassen enden und aus denen wir aus eigener Kraft nicht mehr herausfinden. Hoffnungsvoll, tröstend und vor allem wegweisend ist aber gerade dann Gottes Zuspruch: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Damit Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit aufhören und in Freude verwandelt werden, muss aber etwas passieren. Doch genau das ist längst am Ostermorgen geschehen. Zum Osterfest und an jedem Sonntag werden wir daran erinnert, dass der Grund zur Freude und Hoffnung auch für unser Leben schon längst gelegt ist. In Christi Auferstehung ist sein Sieg über den Tod und die Macht der Sünde sichtbar geworden.

Wer sich im Gottesdienst daran erinnern lässt, kann immer wieder erfahren, dass die Verwandlung von Traurigkeit in Freude tatsächlich auch erlebbar ist. Besonders die leidigen Sorgen des Lebens erscheinen in einem ganz anderen Licht, wenn sie gleich wie die Dunkelheit der aufgehenden Morgensonne weicht, von der Hoffnung auf die Auferstehung durchdrungen werden. Weil aber die Zweifel und Anfechtung im Glauben auf dieser Welt immer wieder kommen, ist es umso wichtiger, sich regelmäßig der siegreichen Auferstehung unseres Herrn Christus zu erinnern und zu vergewissern: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ In dieser Gewissheit möge Christus auch Ihre/Deine Traurigkeit immer wieder in Freude und Hoffnung verwandeln!

Ein gesegnetes und fröhliches Osterfest wünscht,

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl.

Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.

Deutschland gehört zu den Ländern der Welt, in denen es den Menschen materiell und finanziell mit am besten geht, aber es gibt wohl kaum ein anderes Land, in dem so viel gemeckert und geklagt wird. Was bezwecken wir eigentlich mit unserem Reden, wenn wir kritisieren und schimpfen? Wissen wir wirklich immer alle Hintergründe oder die Lösung aller Probleme?

Oft bauen wir mit unserer Unzufriedenheit und unserm Klagen Ängste und depressive Stimmungen auf, anstatt uns über das Gute im Leben zu freuen oder es zu teilen. Besonders mit dem, was wir reden, könnten wir doch denen so viel Segen bringen, die es hören. Der Apostel Paulus hat dabei das Wort Gottes im Blick, das wir nicht nur in unseren Herzen, sondern auch in den Gesprächen mit unseren Mitmenschen bewegen sollen. „Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ So sagt Christus im Lukasevangelium (Lk 6, 45) Doch damit uns der Mund davon übergeht, müssen wir es selbst erst einmal im Herzen haben.

Dabei ist Gottes Wort so erbaulich und gut, weil ER hält, was ER verspricht, besonders im Blick auf die Lösung von Schuld und Anklage. Und wer sich darauf verlässt, dem wird es tatsächlich zum Segen.

Im Gegensatz zu uns hätte Gott tatsächlich Grund zu klagen, weil seine Kirchen oft so leer sind und weil die Menschen lieber IHM und anderen Vorwürfe machen, als ihre eigene Unzulänglichkeit und Schuld zu überdenken.

In jeder Anklage und jedem Vorwurf steckt nämlich nicht nur ein Urteil über den Nächsten, sondern indirekt auch das Urteil über uns selbst. Denn wer die Schuld immer nur bei den Anderen sieht, der rechtfertigt sich selbst und verlässt sich nicht auf die allein rechtfertigende Gnade Jesu Christi, der doch gerade für uns ans Kreuz gegangen ist, damit wir uns nicht selbst rechtfertigen müssen.

Ich denke, um SEINETwillen ist es einen Versuch wert, in der vor uns liegenden Fastenzeit mal auf überflüssige und anklagende Worte zu verzichten, und dafür IHM und SEINEM Wort in unserem Alltag etwas mehr Raum zu geben. Das wird sich bestimmt nicht nur auf uns selbst segensreich auswirken!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fasten- und Passionszeit!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; (Jesaja 9, 5)

Kinder bereiten uns doch immer wieder große Freude. Es gibt wohl kaum erfüllteres Glück, als wenn wir durch glückliche Kinder erfreut werden. Vielleicht versuchen wir aus diesem Grund Kinder immer wieder so zu beschenken oder Gutes zu tun, dass wir an ihrer Freude teilhaben und davon ganz erfüllt werden.

Erstaunlich ist dann, dass Erwachse in der Gegenwart von solch fröhlichen Kindern, oft selbst wieder wie Kinder werden. Sie vergessen ihre Sorgen und fangen an wie Kinder zu lachen, zu reden und sogar zu spielen. Egal wie tief wir in unserem „Erwachsenen-Alltag“ gefangen sind, Kinder helfen uns da herauszukommen und das zu sein, was wir vor Gott sind: Kinder.

Leider vergessen wir Erwachsenen das immer wieder, weil unser Leben nicht so unbeschwert bleibt, wie es einmal begonnen hat.

Doch gerade in dieser unbeschwerten und vertrauensvollen Art äußert sich der kindliche Glaube, durch den wir zu Gott rufen: Abba, lieber Vater!

Darum beschenkt uns Gott wie Kinder mit einem Kind, damit wir durch dieses Kind selbst wieder ganz Kind sein können. Ein Kind dass uns vorbehaltlos und uneigennützig zeigt, wie treu und zuverlässig Gott zu seinen Kindern steht, ein Kind, dass für unsere Schuld eintritt und uns heilt.

Gerade darin unterscheidet sich dieses Kind von Bethlehem dann von allen anderen Kindern – indem es die Herrschaft, die auf seinen Schultern ruht – einsetzt um uns zu erlösen.

Dieses Kind wird gerade für die Kleinen und Schutzlosen eintreten. Christus ruft die Kinder zu sich und „er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“ Und er stellt gerade die Kinder als ein Beispiel für den Glauben hin, zu dem auch wir berufen sind.

Denken wir also in dieser Adventszeit und an diesem vor uns liegenden Weihnachtsfest nicht nur daran, wie wir unsere Kinder und andere Menschen beschenken können, sondern vor allem daran, wie wir durch den menschgewordenen Sohn Gottes – der uns geboren ist – reich beschenkte und herzlich geliebte Kinder Gottes sind! Denn das gilt nicht nur für Weihnachten sondern das ganze Jahr.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Adventszeit, ein fröhliches Weihnachtsfest und einen zuversichtlichen Jahresanfang 2014!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, denn an solchen Opfern hat Gott gefallen. (Hebräer 13, 16)

Vor ein paar Tagen wurde der Deutsche Bundestag neu gewählt und wir erwarten eine neue Regierung. Gnadenlos haben die Parteien im Wahlkampf um jede einzelne Stimme gekämpft, um die Machtverhältnisse zu klären und eine regierungsfähige Mehrheit zu bekommen. Welche Partei würde nach dem Wahlergebnis noch auf die Idee kommen, ihre gewonnen Mandate zu teilen und an die Verlierer Sitze abzugeben?

Es kostet oft Überwindung, das was man einmal hat, zu teilen und etwas davon abzugeben. Wir sind ja schon bereit zu teilen und auch gern etwas abzugeben, doch allzu oft nur dort, wo wir auch einen Nutzen für uns selber sehen. Wenn es zum Beispiel um Geschenke für Angehörige oder um ein Sparbuch für die Enkel geht, die sich ja hoffentlich dankbar erweisen, dann geben wir mit Freude.

Wenn es aber um die Nachbarn, die Arbeitskollegen oder uns nicht nahestehenden Menschen geht, fällt uns das Teilen oft nicht so leicht. Wir wägen ab und beurteilen die Menschen, ob sie Hilfe brauchen und ob sie überhaupt würdig sind, Hilfe zu empfangen. Tatsächlich sind aber viele Menschen existentiell darauf angewiesen, dass wir mit Ihnen teilen.

Der allmächtige Gott hingegen ist auf unsere Opfer nicht angewiesen. Was könnten wir dem Schöpfer der Welt auch zurückgeben, um ihm unsere Dankbarkeit zu zeigen? Obwohl uns das wahrscheinlich leichter von der Hand ginge, Gott etwas zu opfern, als unseren Nachbarn und Mitmenschen etwas abzugeben.

Doch drücken wir unsere Dankbarkeit gegenüber dem dreieinigen Gott am besten aus, indem wir die uns von IHM anvertrauten Gaben mit anderen teilen und einen Teil unseres Wohlstandes dem Nächsten „opfern“. Sicherlich sind da nicht unbedingt Wählerstimmen oder Sitze im Bundestag gemeint – aber alles womit wir selbst an Gutem und Wertvollem in unserem Leben von Gott gesegnet sind.

Teilen ist also etwas Gutes, vor allem wenn es ohne Berechnung und Ansehen der Person geschieht. Denn so teilt und schenkt Christus uns reichlich und vorbehaltlos Alles, was ER uns erworben hat: Vergebung und ewiges Leben. Das haben wir! Lassen wir uns immer wieder daran erinnern, indem wir dankbar teilen und Gutes tun, womit uns der dreieinige Gott in unserem Leben gesegnet hat.

In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes Erntedankfest!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden. (Apostelgeschichte 18, 9+10)

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – so heißt es in einem deutschen Sprichwort passend, wenn man bedenkt, welche negativen Folgen manche Worte oft haben können. Angst vor Gleichgültigkeit, Ablehnung oder aber auch Konflikten und Unbequemlichkeiten veranlassen auch uns leider allzu oft dazu, lieber zu schweigen, anstatt zu reden. Dabei sind versöhnende, ermutigende und tröstende Worte oft so wichtig, um einen Neuanfang zu machen, genauso wie ermahnende, kritische und warnende Worte einseitigen und festgefahrenen Ansichten zu einer neuen Perspektive verhelfen.

Der Apostel Paulus durfte genau diese positive Wirkung seiner Worte erleben. Genauer gesagt, durfte er sehen, wie durch sein Zeugnis für Jesus Christus eine Gemeindevorsteher der jüdischen Synagoge und mit ihm viele Korinther gläubig wurden und sich taufen ließen. Eigentlich eine Erfolgsstory. Doch auch Paulus war zuerst zögerlich und furchtsam, als er in Korinth anfangen sollte zu predigen: „Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“ (1 Kor 2, 3ff) Paulus hatte tatsächlich Verfolgung zu fürchten und er war müde und erschöpft. Wer hat sich nicht auch schon von der Gemeindearbeit müde und erschöpft gefühlt, von den Brüdern und Schwestern enttäuscht oder wurde vom Zweifel geplagt: „Ist das, was ich tue, wirklich Gottes Plan?“ Vielleicht hat mancher vor lauter Sorge und Angst auch schon resigniert gedacht: „Meinen Bekannten und Freunden von Christus erzählen? Das kann ich nicht!”

Offensichtlich brauchte aber auch der große Apostel Paulus in ähnlicher Situation Gottes Ermunterung und Stärkung. „Ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden.” – Mit diesem Zuspruch tröstet Gott seinen Apostel zuversichtlich die frohe Botschaft von Jesus Christus gegen alle seine Ängste und gegen äußere Widerstände zu verkündigen. Obwohl wir keine Apostel sind, so gilt doch auch uns der Auftrag unseres auferstandenen Herrn, ihn vor den Menschen zu bezeugen. Was aber viel wichtiger ist, auch uns gilt Jesu wunderbare Zusage: „Ich bin mit dir! Ich will euch Mund und Weisheit geben.” (Lk 21, 15) Unser Missionsfest am 30. Juni hat uns wieder an diesen Auftrag aber vor allem an seine Zusage erinnert: Die frohe Botschaft muss zu den Leuten! Dass sie die Menschen erreicht – das wird Gott schon ausrichten – nicht wir. Gott sandte seinen Sohn Jesus Christus zu unserer Rettung, weil er die Welt so sehr liebt.

Eine gute Nachricht also, die wir da weitersagen sollen. Wie befreiend und motivierend für Paulus damals in Korinth – und für uns heute – dies Zusage Gottes ist, können wir aber erst erfahren, wenn wir unseren Mund aufmachen und mit unseren Mitmenschen reden! Dabei mag es hilfreich sein, dass wir uns Gedanken machen, wie wir in angemessener Weise über unseren Glauben reden und wie wir Jesus Christus bezeugen können. Doch eigentlich können wir nur darüber staunen, wie und mit wem Christus sein Reich ausgebreitet hat und immer noch ausbreitet!

Weil ER bei uns ist, darum sollen und dürfen wir an diesem großen Werk mitwirken – an dem Ort, an den uns der Herr Christus gestellt hat. Weil ER dabei ist, darum können wir fröhlich ans Werk gehen! Dass wir so zur Ausbreitung der frohen Botschaft von Jesus Christus fröhlich gemacht werden, dazu segne unser Heiland unsere Gottesdienste und alles was wir in unseren Gemeinden erleben dürfen!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl

Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar. (Kolosserbrief 2, 6+7)

Der Frühling lässt in diesem Jahr lange auf sich warten. Schnee und Frost, wie im tiefsten Winter, haben den kalendarischen Frühlingsanfang bestimmt. Dabei haben diejenigen unter uns, die einen Garten haben, längst darauf gewartet aussäen und pflanzen zu können. Damit die Pflanzen Wurzeln schlagen können, muss aber erst der Frost aus dem Boden sein. Nur so können die Pflanzen tief im Erdreich verwurzelt werden, damit sie später auch die benötigten Nährstoffe mit ihren Wurzeln aufnehmen können.

Ganz wie die Pflanzen ist auch jeder Christ eingepflanzt worden, so beschreibt es der Apostel Paulus im Brief an die Kolosser. In der Heiligen Taufe hat uns der Dreieinige Gott in sich selber eingepflanzt und mit sich verbunden: Er hat das Samenkorn des Glaubens durch den Heiligen Geist ausgesät, in der Heiligen Taufe den Menschen bewässert und begossen, damit der Christ Wurzeln treibt. Je tiefer unser Glaube an Jesus Christus verwurzelt ist, umso schwerer haben es der Sturm des Lebens mit all seinen Nöten und Sorgen, uns von Gott loszureißen.

Es besteht die Gefahr, dass wer nur oberflächlich, aus Tradition oder anderen Motiven heraus den Glauben versucht zu leben, entwurzelt wird, einknickt oder schlicht weg vertrocknet und umfällt. Denn genau das geschieht, wenn eine Pflanze oder ein Baum nicht mehr fest im Erdboden verwurzelt ist. Er stirbt. Wer also nicht fest in Christus verwurzelt ist, der geht kaputt und der Glaube stirbt ab.

Der Apostel Paulus beschreibt Christus als den guten Mutterboden für unseren Glauben. „Christsein“ heißt: In Christus verwurzelt bleiben. Also mit unseren Wurzeln uns nach seinem Wort ausstrecken, es aufnehmen und danach handeln. Denn sein Wort ist Lebenswort – das uns Kraft und Halt im Leben gibt. Diese Lebensworte werden im sonntäglichen Gottesdienst in den Lesungen und in der Predigt verkündigt. Es versorgt uns aber auch in der Bibelstunde, in den Liedtexten im Kirchenchor oder in der Andacht zu Hause. Wer Gottes Wort hört und im Alltag danach lebt, bleibt in Jesus Christus verwurzelt.    Allein das tägliche hören auf die Christusbotschaft, ermöglicht uns fest zu bleiben und im Glauben zu wachsen. Der Glaube, in dem wir unterwiesen worden sind, will auch im Alltag gelebt sein. Da zeigt er seine Früchte. Um diese Früchte des Glaubens hervorzubringen, braucht es die Mineralstoffe, die uns Jesus Christus schenkt. Eine Pflanze steht ja, wenn sie tief in der Erde verwurzelt ist im Saft, der sie versorgt und Blüten und Früchte wachsen lässt. Auch als Christen brauchen wir Lebenssaft, der unseren Glauben versorgt: Es ist das Heilige Abendmahl.

Jesu Leib und Blut sind Mineralstoffe und Lebenssaft, die uns in diesem Leben nicht verdursten lassen und den Glaubensdurst löschen. Sein Leib und Blut sind die Mineralstoffe für die Ewigkeit. Der Apostel Paulus mahnt, bei dem zu bleiben, was sie gelernt haben. Das gilt auch der Kirche, bei dem zu bleiben, was ihr in der Verkündigung von Gesetz und Evangelium sowie der Darreichung der Sakramente aufgetragen ist. Gemeint ist damit sicher nicht an liebgewordenen Strukturen krampfhaft festzuhalten oder in ausgetretenen und bekannten Pfaden zu gehen, sondern lebendig mit Herz und Hand den in Christus verwurzelten Glauben zu leben. Das kann durchaus Veränderungen von Strukturen nach sich ziehen. Wichtig ist und bleibt aber fest in Christus verwurzelt zu sein und zu bleiben. Dann gehen die Knospen auf. Der Frühling, auch in Kirche und Gemeinde, kann kommen!

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl