Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied. (Johannesevangelium 19, 30)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Was hat Jesus eigentlich am Kreuz vollbracht?“, so hinterfragen viele Menschen bis heute Jesu letzte Worte am Kreuz. Nicht, dass sie diese Frage offen aussprechen oder überhaupt stellen. Sie geben vielmehr gleich die Antwort mit ihrem Reden, Denken und Tun. Es widerspricht einfach unserem Gerechtigkeitssinn und unserer Vernunft, dass der Mensch ohne eigenes Mitwirken, allein durch den Tod Jesu gerettet sein soll.

Dabei offenbart sich gerade in unserm Bedürfnis und unserer Vorstellung, zu unserer Erlösung selbst etwas beitragen zu können, dass wir Jesu einmaligen Opfertod am Kreuz kritisch hinterfragen. Im Zweifel, ob wir Gottes Versprechen in seinem Sohn wirklich hundertprozentig trauen, liegt dann letztlich auch die Ursache der ganzen Schuld und Sünde des Menschengeschlechts, nämlich Misstrauen gegen Gott!

Dieses Misstrauen gegen Gott kommt auch uns Christen einfach immer wieder durch, gerade den scheinbar frommsten und rechtschaffensten unter uns, weil wir einfach nicht verstehen können oder nicht wahrhaben wollen, dass Jesus allein mit seinem Tod am Kreuz  alles für unsere Rettung getan hat.

Jesus der Christus ist ja genau darum die Mitte und das Zentrum der ganzen Offenbarung Gottes und des christlichen Glaubens, weil ER allein mit seinem Opfer für unsere Sünden am Kreuz unsere Erlösung vollbracht hat.

Da drängt es sich ja geradezu auf, das alle christlichen Kirchen  das 500. Gedenkjahr der Reformation ökumenisch als „Christus-Fest“ begehen. Dies ist auf jeden Fall bemerkenswert und verdient Respekt, gerade im Blick auf die gravierenden Ursachen der Auseinandersetzung vor 500 Jahren, wenn allein Christus im Zentrum der Gedenkveranstaltungen stehen soll. Nur entsteht so mittlerweile fast schon der Eindruck, als wäre die Reformation überflüssig gewesen und als würde jede christliche Konfession Christus als den Heiland verkündigen, der allein alles für unsere Rettung vollbracht hat.

Aber merken wir eigentlich noch, wie und was von diesem „allein durch Christus“ von den Kanzeln gepredigt und gelehrt wird? Ob unser Reden, Denken und Tun zum Allheilmittel neben oder sogar über dem Kreuz Jesu proklamiert wird? Welche Rolle spielen die menschlichen Werke und wie wirken sie sich auf unsere Erlösung aus? Wird Jesus nur für einen einzigartigen guten Menschen oder für einen erfolgreichen Religionsstifter neben vielen anderen gehalten?

Dabei sagt Jesus frei und offen:

„Was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ – Gar nichts, denn Gott gibt Alles! Jesus allein, der CHRISTUS, des lebendigen Gottes Sohn, hat unsere Erlösung am Kreuz vollbracht. „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 3, 36)

Mögen uns die voranschreitende Fasten- und Passionszeit helfen, diese befreiende Botschaft neu zu hören und zu fassen und unseren Glauben an IHN mit Gewissheit und Vertrauen zu erfüllen!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl