Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? (Hiob 2, 10 – Monatsspruch für Oktober)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Wer das Buch Hiob schon einmal gelesen hat, der weiß, dass Hiob in seinem Leben sehr Böses empfangen hat. Es heißt: „Er war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse.“ Umso schlimmer und unverständlicher mag es uns erscheinen, dass ausgerechnet über diesen Mensch das Böse hereinbricht. Hiob verliert seine ganze Familie, sein Hab und Gut und zuletzt auch noch seine Gesundheit.

Und dennoch hält Hiob an Gott fest mit den Worten: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Wie selbstverständlich nehmen wir das Gute in unserem Leben an, ohne immer gleich daran zu denken, wem wir es eigentlich verdanken. Sehr viel schneller und leichter sind wir jedoch mit unserem Zweifel, Hader und Urteil gegen Gott, wenn Böses über uns hereinbricht.

Dabei ist Gott nicht die Ursache der Sünde und des Bösen. Im 19. Artikel des Augsburger Bekenntnisses unserer lutherischen Kirche heißt es, dass „der verkehrte Wille in allen Bösen und Verächtern Gottes die Sünde bewirkt, wie es denn der Wille des Teufels und aller Gottlosen ist, der sich, sobald Gott seine Hand abzog, von Gott weg dem Argen zugewandt hat.“ Sicherlich ist es schwer, mit dieser Glaubensaussage Naturkatastrophen und Krankheiten zu erklären. Viel greifbarer ist das Böse und die Sünde in dem, was Menschen einander antun und durch ihr überhebliches und rücksichtsloses Verhalten auch in globalen Zusammenhängen oft auslösen.

Die Frage nach dem „Warum?“ wird aber für uns in dieser Welt solange unbeantwortet bleiben, solange wir unsere eigene Verantwortung ausklammern und von uns weisen, zumal das Urteil darüber, was „Böse“ ist niemals wirklich objektiv gefällt, sondern immer parteiisch oder aus einer bestimmten Perspektive gesehen wird. Im ersten Teil des Monatsspruches für Oktober hören wir, dass Hiob zuerst Gutes von Gott empfangen hat. Und genau darauf zu schauen und Gott als den Geber aller Guten Gaben zu erkennen und ihn immer wieder genau darum zu bitten, ist die viel wichtigere und vor allem tröstende Perspektive. „Denn auch wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11, 9-13)

Christus ist für unsere Sünde, unsere Bosheit und Ungerechtigkeit gestorben, so dass egal was an Bösem in unserem Leben auch hereinbrechen mag, dies nicht das letzte Wort in unserem Leben bleibt – ja uns auch das Böse nicht mehr trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Hiob durfte das Gute aus der Hand Gottes noch in seinem irdischen Leben erfahren, so können wir es am Ende des Hiobbuches lesen. Doch gerade nicht, weil Hiob so fromm und rechtschaffend war, sondern weil er Buße tat und Gott um Vergebung bat. „Bittet, so wird euch gegeben… Denn wer da bittet, der empfängt.“

Möge Gott uns dafür immer wieder unsere Augen öffnen, dass wir uns zu ihm kehren, in guten und bösen Tagen unseres Lebens. Denn wenn diese Beziehung stimmt, können wir in jeder Lebenslage gewiss sein: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (Römer 14, 8)

Ihr/Euer Pfarrer Tino Bahl