Monthly Archives: April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ – 1. Korintherbrief 15, 42 – Monatsspruch für April 2020

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Jesus Christus ist der Erste, der leiblich von den Toten auferstanden ist. Erst im Osterlicht seiner Auferstehung bekommt die Auferstehung der Christen überhaupt seinen Grund. Gegenstand aller Verkündigung ist darum die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, die wir jeden Sonntag, in jedem Gottesdienst feiern. Dieses Ereignis ist das Fundament des christlichen Glaubens, weil dieser Tatsache alles hängt.

Die Auferstehung Jesu Christi hat darum auch Folgen für unser Leben: Trauer über den Tod eines lieben Menschen oder die Angst vor Krisen und Katastrophen braucht uns nicht mehr in maßlose Traurigkeit und Verzweiflung zu stürzen. Natürlich darf ein Christ auch um seine Verstorbenen trauern und natürlich darf er sich über die Ungerechtigkeit in der Welt empören.

Jedoch wird er in Leid, Trauer und Schmerz immer wieder auf den schauen, der das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat: Jesus Christus. Mitten in den Ausweglosigkeiten unseres Lebens, zeigt er Wege, wie wir mit den Kräften der Vernichtung, die uns nach wie vor umgeben, umgehen können. Ihre Herrschaft ist durch die Auferstehung Christi, die wir zu Ostern feiern, zerbrochen. Nicht die Kräfte der Vernichtung und des Todes haben das letzte Wort, sondern Jesus Christus, der uns als der Auferstandene begegnet. ER, der von Gott mit neuem Leben erfüllt ist und dessen Leben kein Ende hat. Das Fest der Auferstehung, das die weltweite Christenheit zu Ostern feiert, ist darum das wichtigste, weil es das Herzstück des christlichen Glaubens ist.

Das Osterereignis sprengt unsere menschliche Erfahrung, weil Leid, Schmerz, Tränen und Tod noch in der Welt sind – wir sehen und erfahren das leider. Auch die Augenzeugen der Auferstehung Jesu werden mit dieser Wirklichkeit konfrontiert. So zweifeln auch damals manche unter den Jüngern. Nicht nur heute, sondern durch alle Zeiten hindurch scheint die leibliche Auferstehung Jesu Christi von den Toten ungeheuerlich und lässt sich nicht mit menschlicher Erfahrung vereinbaren.

Paulus antwortet denen, welche die Auferstehung der Toten ablehnen. Wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe, dann wäre auch Jesus Christus nicht auferstanden. Wenn er nicht auferstanden wäre, dann wäre auch die Predigt, der Glaube und die Kirche sinnlos. Die Macht von Sünde, Tod und Teufel wären nicht gebannt. Ja hofften wir allein in diesem Leben auf Christus, so wären wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. (1. Korinther 15, 20)

Die leibliche Auferstehung Jesu Christi ist wirklich geschehen, darum werden auch alle daran Anteil haben, die in Jesus Christus gestorben sind. Unsrer Auferstehung geht voraus, dass der alte menschliche Leib vergeht – gesät wird verweslich – Doch diesen Leib wird Gott kraft seines Wortes ins Leben rufen und neu schaffen. In der Heiligen Taufe, wo der alte Mensch stirbt und der neue Mensch herauskommt und aufersteht, um in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich zu leben, ist für uns diese neue Schöpfung angebrochen.

          So wünsche ich uns ein zuversichtliches und fröhliches Osterfest! Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ – Markusevangelium Kapitel 9, Vers 24 – Jahreslosung 2020

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Im Vers vor unserer Jahreslosung für 2020 sagt Jesus über den Glauben: „alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“, als fordere er Glauben wie eine Willensentscheidung, ein Bekenntnis oder einen Entschluss von uns Menschen ein. Und es gibt noch viele andere Stellen in der Heiligen Schrift, die den Glauben ganz ähnlich wie einen willentlichen Entschluss des Menschen beschreiben.

Müsste uns eigenwilligen, in Freiheit und Unabhängigkeit verliebten Menschen, die gern selbstbestimmt entscheiden wollen, was falsch oder richtig ist, und was sie nach genauem abwägen glauben oder auch nicht glauben wollen, der Ausspruch Jesu nicht sehr entgegen kommen?

Dr. Martin Luther beschreibt uns im Kleinen Katechismus mit wunderbaren Worten, was Glauben ist und wie er entsteht: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben;“

Kürzen wir diesen Satz zusammen, dann steht da der offen und ehrliche Satz: „Ich glaube…, dass ich nicht glauben kann!“ Er klingt ganz nach dem verzweifelten Vater, der Jesus um die Heilung seines von einer bösen Macht besessenen Sohnes bittet. An dieser Stelle hilft Jesus dann auch. Der Heilige Geist hat uns durch das Evangelium zum Glauben berufen. Er selbst wird diesen Glauben auch erhalten, wenn wir ihn darum bitten. Der Glaube ist Gottes Werk in uns und nicht unsere fromme Leistung, mit der wir uns bei ihm bewerben. Immer wieder dürfen wir rufen: „Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben! Alleine schaffe ich es nicht.“ Unser Gott hört diese Bitte gerne. Denn nichts tut er lieber als das: uns den Glauben erhalten und uns helfen.

Es ist nicht richtig, Unglauben oder den Zweifel schön zu reden, wie es in diesem Jahr sicher häufig passieren wird. Aberglaube ist Glaube oder Vertrauen, das sich auf ein falsches Ziel richtet, also statt von Gott von anderen Dingen oder Mächten Hilfe erwartet. Anfechtung ist das, was den Glauben an Gott von außen zu erschüttern versucht, also negative Gedanken, die durch schlimme Ereignisse, Angriffe von anderen Menschen, Schicksalsschläge provoziert werden. Kleinglaube ist Glaube, der wenig von Gott erwartet.

Was bedeutet es nun aber, dass dem Glaubenden alles möglich ist? Das Evangelium in der Geschichte um die Jahreslosung 2020 besteht darin, dass Jesus der wahrhaft Gott in allem Vertrauende ist, der darum alles kann. Daher auch der Hinweis auf das Gebet am Schluss. Auch Jesus hat vor seinen Wundern oft sichtbar gebetet, um zu zeigen, woher seine Kraft kommt. Die Jünger können überhaupt nichts von sich aus, sie brauchen die Kraft des Vaters im Himmel. Dann können sie, so es Gott will, alles.

Der Vater des kranken Kindes, der mit viel Hoffnung und leisem Zweifel um Hilfe bittet, versteht Jesu Ermahnung sofort, der seinen Zweifel aufdeckt. Und er erkennt im selben Moment, dass jetzt nur noch Ehrlichkeit hilft. Kein scheinheiliges: „Aber ich glaube doch!“ Kein relativierendes „Aber ich weiß doch, dass du es kannst, wenn du willst!“ Am Ende hilft nur der Schrei dieses Vaters: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Hilf mir, nicht zu zweifeln, sondern dir zu vertrauen, ganz und gar! Am Ende hilft nur das Eingeständnis, dass wir nicht mal glauben können ohne Gottes Hilfe. Und auch nicht ohne andere Menschen, die mit uns schreien: „Wir glauben; hilf unserem Unglauben!“

Mit Glauben und Unglauben werden wir auch in diesem Jahr zu tun haben, auch in unserem persönlichen Glaubensleben. Um so tröstlicher ist es darum zu wissen, dass Jesus sich auch zum Eingreifen und Handeln bewegen lässt, auch wenn unser eigener Glaube schwach, zweifelnd oder gar abhanden gekommen ist. Darum wünsche ich uns allen immer wieder solchen Glauben, der von Gott etwas erwartet, vertraut, empfängt und wahrnimmt, damit auch wir erfahren, wie Gott in unserem Leben und in dieser Welt eingreift, seine Macht unter Beweis stellt und durch sein Wort und Sakrament Glauben unter uns wirkt.

Möge Gott uns den Glauben schenken und erhalten der erfährt, wie Gott helfen kann und will und wird. Dass ER seine Verheißungen einlösen wird und dass wir mit unserem Kleinglauben und Zweifeln bei ihm allein an der richtigen Stelle sind.

So wünsche ich Ihnen / Euch ein gesegnetes und glaubensstärkendes Jahr 2020.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl