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Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäusevangelium Kapitel 20, Vers 28 – Monatsspruch für April 2019)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Als Pfarrer frage ich mich hin und wieder, wie unser christlicher Glaube und unser Christsein an sich von den Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, wahrgenommen wird und sich praktisch auf unser Leben auswirkt? Können unsere Mitmenschen uns überhaupt anmerken, dass wir Christen sind und uns als Gemeinde von der Welt abheben, weil wir in unserem Reden, Denken und Tun auffallen und uns als Gottes Kinder erweisen?

Ich denke, dass es gut und heilsam ist, wenn wir uns diese Frage tatsächlich regelmäßig stellen, weil Christus sagt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5, 16) Und in Kapitel 7, Vers 20, sagt er weiter: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Die Realität unseres Lebens sieht nämlich leider oft ganz anders aus. Auch als Christen unterscheiden wir uns eben nicht wirklich von Nichtchristen, auch mit den besten Vorsätzen. In Angst sind wir gerade nicht immer zuversichtlicher, in Leid nicht fröhlicher, in Schmerz nicht geduldiger, in Sorgen nicht gelassener und in Not nicht furchtloser als andere Menschen. Ganz zu schweigen von dem, was wir auch als Christen gegen Gottes Willen tun oder unterlassen und besonders an Liebe und Barmherzigkeit unserem Nächsten immer wieder schuldig bleiben.

Um das zu ändern, ist es gut, zu fragen und zu erkennen, was uns zu Gottes Kindern macht und wie wir uns als Jünger unseres Herrn bewähren. Oder besser gesagt, wie Gottes Heiliger Geist an uns arbeitet und uns verändert. Könnten wir tatsächlich selbst aus eigener Kraft unser Leben, unsere Einstellung und unsere Perspektive verändern, dann hätte Jesus nicht am Kreuz für uns sterben müssen, dann tatsächlich würden wiederkehrende Apelle oder Zwangsmaßnahmen Gottes genügen, um uns anzutreiben, um uns zur Umkehr zu bewegen oder zu besseren Menschen zu machen.

 

Aber als Christen sind wir Gottes Werk, durch Gottes Handeln in unserer Taufe, „geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“, was nichts anderes heißt, als immer wieder auf Gottes Worte zu hören und dieses wirkmächtig an uns und über uns geschehen zu lassen im Glauben. Denn „Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“ (2. Timotheus 1, 9+10)

Christsein und christlicher Glaube heißt nicht, dass wir auf das schauen, was wir aus eigener Kraft zustande bringen oder wo wir immer wieder scheitern, sondern vertrauensvoll auf den zu schauen und uns auf den zu verlassen, der für uns gestorben ist. Christus hat das für uns Unmögliche, aus eigener Kraft Gottes Kinder zu werden oder zu sein, vollbracht. Was Christus für uns getan hat und tut, ist das alleinige und tragende Fundament unseres Glaubens, nicht wie wir uns wahrnehmen oder wie wir von anderen wahrgenommen werden. Denn nicht wir, sondern Gott ist es, „der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.“ (Psalm 103, Vers 3-5) Christlicher Glaube und Christsein erweist sich also ganz praktisch in den Gottesdiensten, wo wir die Stimme unsres guten Hirten im Wort hören und seine heilsame Gegenwart im Sakrament erfahren und getröstet und getragen werden von der Gewissheit „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34, Vers 15 – Jahreslosung für 2019)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Wer unter uns sehnt sich nicht nach Frieden? Frieden um uns herum und in uns drin ist ein hohes Gut, das wir allzu oft erst wahrnehmen, wenn er uns abhanden gekommen ist. Allerdings scheint die Aufforderung der Jahreslosung für 2019, selbst für diesen Frieden zu sorgen und ihm nachzujagen, sehr anstrengend und irgendwie auch aussichtslos, wenn man den Unfrieden, der in Welt herrscht, nüchtern betrachtet. Die Abwesenheit von Frieden zeigt sich ja nicht nur an den Orten in der Welt, wo Kriege, Konflikte oder Unsicherheit herrschen, sondern auch in unseren täglichen Beziehungen.

Das hebräische Wort für Frieden, „Schalom“, beinhaltet Ausgleich und Wiederherstellung, also weit mehr als Befriedung durch Waffengewalt, ein Friedensvertrag oder ein Kompromiss. Frieden im biblischen Sinne meint etwas viel größeres, als wir mit Frieden oft meinen zu verstehen. Dieser Frieden in seiner Fülle kann letztendlich nur von Gott her kommen. Er beinhaltet sowohl ein gerechtes Handeln untereinander als auch das Versprechen der Glückseligkeit.

Dass wir solchen Frieden nicht herstellen können, ja aus eigener Kraft unfähig dazu sind, zeigt, wie auch in unserer Gesellschaft beständig mit Worten und Gedanken getötet und vernichtet wird. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.“ (Matthäus 5, 22) In diesem Sinne sind auch die Seligpreisungen „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9), für uns zuerst eine Gerichtspredigt, nach der kein Mensch sich anmaßen kann und sollte, vor Gott auf Grund seines Strebens nach Frieden bestehen zu können.

Dennoch bleibt das Suchen und Streben nach Frieden ein erhabenes und gebotenes Anliegen. Wir werden als (gefallene) Menschen aber immer wieder die Erfahrung des Scheiterns machen und feststellen müssen, dass wir nicht in der Lage sind, Frieden im umfassenden Sinn herbeizuführen. Darum ist es uns zuerst geboten, im Gebet für diesen Frieden zu bitten, was das hebräische Wort für „nachjagen“ umfasst. In fast jeder Fürbitte im Sonntagsgottesdienst beten wir darum, dass Gott uns den Frieden erhalte oder den Kriegen in der Welt ein Ende setze. Doch auch an vielen anderen Stellen im Gottesdienst begegnet uns der Friedenswunsch und die Friedensbitte, zum Beispiel beim dreimaligem Anrufen des Gotteslammes im Agnus Dei: „Gib uns deinen Frieden!“, oder im Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten“. Nicht zu vergessen sei auch die Zusage am Anfang, oder am Ende der Predigt, der Beichte und beim heiligen Abendmahl: „Der Friede des Herrn sei mit Euch!“ und „Gehet hin in Frieden!“.

Wahren und umfassenden Frieden kann allein Gott schenken. Ihm gemäß der Jahreslosung nachzujagen, heißt, dass wir uns zuerst des Friedens mit Gott immer wieder vergewissern, IHN darum bitten und durch IHN Schritte zur Umsetzung des Friedens hier in dieser Welt üben. Das wird eine Herausforderung und Anstrengung bleiben, doch in dieser Reihenfolge auf jeden Fall ein hoffnungsvolles und den inneren Frieden erfüllendes Wirken.

Das Kind in der Krippe, Gottes Sohn, hat am Kreuz für unsere Sünde bezahlt, damit wir Frieden mit Gott haben. Dadurch, dass er demjenigen, der auf ihn vertraut, Heil und Rettung zuwendet, erfüllt er den Frieden. Die Antwort des Glaubenden darauf kann nur Dank und Lobpreis sein. So können wir mit Martin Luther diesen Psalm als Dankpsalm begreifen. Die Aufforderung, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen, wird damit zum Ruf, auf Gott zu vertrauen und in diesem Vertrauen

Schritte zur Umsetzung des Friedens hier in dieser Welt zu tun.

Dieser Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. So wünsche ich Ihnen / Euch ein gesegnetes und friedvolles Jahr 2019.

Pfr. Tino Bahl

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Offenbarung Kapitel 21, Vers 2 – Monatsspruch für November 2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Für das alttestamentliche Volk Israel war die Stadt Jerusalem mit ihrem Tempel die Erfüllung einer Verheißung Gottes und der Ort, an dem Gott unter ihnen wohnte. Doch musste das Volk auf die Erfüllung der Verheißung nicht nur sehr lange warten. Im Verlauf der Geschichte mussten sie immer wieder die Belagerungen der Stadt, Vertreibung und Deportation, und schließlich die Zerstörung Jerusalems und des Tempel schmerzlich erleben.

Zwar gab es zwischendurch auch Zeiten des Wiederaufbaus und der Befreiung, aber am Ende kam es zur endgültigen Zerstörung des Tempels und der Zerstreuung des Volkes in alle Welt, bis auf den heutigen Tag. Die Konflikte, die es seither um und in der heiligen Stadt über die Jahrhunderte gab und die bis auf den heutigen Tag anhalten, werden bis zum Jüngsten Tag nicht gelöst werden.

Wie wunderbar ist da die Aussicht, die der Seher Johannes dem Gottesvolk mit größter Gewissheit in unserem Monatsspruch für November in Aussicht stellen darf: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! (Offenbarung 21, 5). „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“

Der Seher Johannes sieht in einer Vision das himmlische Jerusalem vom Himmel herabkommen. Die Antwort auf alle unsere Fragen, Ängste und Konflikte liegt letztendlich bei Gott und in seinem Handeln begründet. Welch ein Trost! Denn mit der Verheißung des Kommens der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem, ist ja auch die die Lösung aller irdischen Konflikte, Ungerechtigkeiten und die Erfüllung der in Christus offenbarten Wahrheit Gottes verbunden. So haben nicht nur die ersten Christen in der Verfolgung diese Worte als Glaubensstärkung und Trost erfahren, sondern bis auf den heutigen Tag erleben wir die Kraft dieser Worte, wenn wir sie in der bitteren Endlichkeit dieser Welt an den Gräbern unserer Angehörigen hören dürfen und sie uns mit Gewissheit zugesprochen werden.

„Denn Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“

Mit unserer Taufe haben wir nicht nur das Bezugs- und Bleiberecht für diese zukünftige Stadt, sondern das Bürgerrecht geschenkt bekommen. In jedem Gottesdienst ragt diese neue Welt Gottes in die unsere hinein: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“ (Offenbarung 21, 3+7)

Machen wir von unserem Bürgerrecht Gebrauch und folgen wir schon hier und jetzt der Einladung Gottes, in seiner heiligen Stadt, in seiner Gegenwart, unter seinem Segen und Schutz schon jetzt zu leben und ewig zu bleiben, indem wir allezeit und beständig SEINEN Einladungen zu SEINEN Gottesdiensten folgen.

So wünsche ich Ihnen / Euch eine zukunftsweisende und wache Zeit in freudiger Erwartung auf das Kommen des HERRN am Ende und Beginn des Kirchenjahres.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea Kapitel 10, Vers 12 – Monatsspruch für Juli 2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Eigentlich ist die jetzt angebrochene Sommerzeit nicht mehr die Zeit des Pflügens und der Aussaat. Gesät und gepflügt wird vielmehr im Frühjahr oder sogar schon im Herbst. Jetzt ist vielmehr die Zeit des Wachstums und des Reifens. Bei günstigem Wetter dürfen wir auf eine glückliche Ernte hoffen.

Der Monatsspruch für Juli spricht ebenfalls von Saat und Ernte, allerdings in einem übertragenen Sinn. Gott lässt durch den Propheten Hosea sagen: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Buch des Propheten Hosea, Kapitel 10, Vers 12)

Gott weist uns darauf hin, dass unser Handeln in Taten, Worten und Gedanken mit einem Samen vergleichbar ist, der mit der Zeit aufgeht und etwas hervorbringt. Ähnlich dem Sprichwort: „Was der Mensch sät, dass wird er auch ernten.“ Er fordert uns auf, Gerechtigkeit auszusäen und Gott zu suchen, solange es Zeit ist. Hosea weiß, dass Gott sich nicht immer finden lässt, sondern dass Gott sich auch verborgen halten oder seinen Segen zurückhalten kann. Darum sind wir immer aufgefordert zu überdenken, was wir mit unseren Taten, Worten und Gedanken aussäen und welche Früchte wir zu erwarten haben.

Gott fordert uns auf, dies immer wieder zu tun, nicht nur im Frühling oder wenn wir erst die schlechten Früchte unseres Handelns aufgehen sehen. Gott ermöglicht jederzeit einen Neuanfang, verbunden mit seinem Segen, der Gerechtigkeit über uns regnen lässt. Dabei geht es nicht darum, dass wir mit unserem Handeln perfekt sein müssen und immer alles richtig machen, die rechten Worte finden oder ohne Furcht und Zweifel sind. Innerweltliche Gerechtigkeit werden wir wohl niemals wirklich herstellen können, wie sehr wir uns auch bemühen. Aber in Dankbarkeit, dass wir Fehler erkennen können, und im Vertrauen darauf, dass Gott unsere Umkehr und jeden Neuanfang begrüßt, begleitet und segnet, dürfen wir getrost auf den Anbruch seiner Gerechtigkeit hoffen und sie mit Gewissheit erwarten.

In der Taufe hat Gott den Neuanfang mit uns schon längst begonnen und uns seine Gerechtigkeit geschenkt, indem er uns mit seinem Sohn Jesus Christus verbunden hat. Jetzt zählt nicht mehr, was wir bruchstückhaft mehr oder weniger zu Stande bringen, sondern vielmehr, was Gott an uns, in uns und durch uns wirkt, wenn wir uns seinem Wort aussetzen und ihn so tatsächlich an uns handeln und wirken lassen. So wie Sonne und Regen die Saat aufgehen und wachsen lassen, so lässt Gott auch uns im Glauben, in der Liebe und im Hoffen durch das, was er uns sagt und zuspricht, wachsen und gedeihen. Möge Gott uns die Zeit und den Blick dafür schenken, im Leben immer wieder neu anzufangen, wo es nötig ist, und zu erkennen, was er uns schenkt und wo wir auf den Regen seiner Gerechtigkeit hoffen oder sie auf jeden Fall erwarten dürfen.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Johannesevangelium Kapitel 20, Vers 21 Monatsspruch für April2018)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mission und Diakonie sind „durch den Auftrag Gottes geforderte Lebensäußerungen der Kirche und ihrer Gemeinden“, so heißt es in der Grundordnung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Wenn eine Kirche oder Gemeinde diese Aufgaben vor Ort und in der Welt nur halbherzig oder gar nicht mehr wahrnimmt, dann wird sie ihrem christlichen Auftrag und ihrer Berufung nicht mehr gerecht.

Jesus Christus, der Auferstandene, beruft und sendet die Apostel mit der Vollmacht aus, sein rettendes Evangelium zu predigen und in seinem Namen Sünden zu vergeben und zwar in aller Welt, bis an der Welt Ende. Dabei geht es nicht darum, dass die Apostel selbst die Welt retten müssten, sondern vielmehr den zu predigen, der die Erlösung der Welt vollbracht hat, „damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 16) Dies geschieht, wenn die Botschaft seiner Auferstehung und die Vergebung, die uns um Christi Willen geschenkt wird, in die Welt hinaus getragen und mit Wort und Tat bezeugt wird. Welch einen Segen und was für einen großen Schatz hat doch der HERR damit seiner Kirche auf Erden anvertraut!

Sind wir uns bewusst, dass auch wir zu dieser wunderbaren, heilvollen und wichtigen Aufgabe durch unsere Taufe berufen sind? Auch wenn die Sendung der Apostel mit einer besonderen Vollmacht und Verantwortung verbunden ist, so ist doch auch jeder Christ Kraft seiner Taufe dazu berufen, in seinem unmittelbaren Umfeld Jesus Christus als den auferstandenen Retter der Welt zu bezeugen.

Dabei sind wir nicht auf uns allein gestellt, sondern haben die feste Zusage, dass Christus bei uns ist „alle Tage, bis an der Welt Ende“ und uns der Heilige Geist die Worte eingeben wird, die wir reden sollen. Es geht auch nicht darum, Menschen mit schlauen Erklärungen und logischen Argumenten zu überzeugen, sondern zuallererst zu bekennen und zu bezeugen, was Christus an uns selbst getan hat.

Christus hat uns genau dazu versprochen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein … bis an das Ende der Erde.“ (Apostelgeschichte 1, 8) Diese Kraft dürfen wir uns in unseren Gottesdiensten, an Gottes Altar und überall, wo wir uns um Gottes Wort sammeln, um darin Trost und Hilfe zu suchen, immer wieder fleißig schenken lassen. Hier erfahren wir SEINE Gegenwart und dürfen für unseren Glauben und unsere Mission auftanken.

Möge der Heilige Geist unsere Herzen entzünden, dass auch wir – erfüllt von der Freude des Ostergeschehens und die damit verbundene Aussicht auf Rettung dieser schuldverstrickten Welt – unseren wunderbaren göttlichen Auftrag in dieser Welt wahrnehmen und unseren Glauben an den Heiland Jesus Christus vor der Welt immer wieder gern und mit Freuden bezeugen.

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Man muss GOTT mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5, 29 – Monatsspruch für Juni 2017)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mit „gehorchen“ und „Gehorsam“ haben die meisten Menschen unserer Gesellschaft so ihre Schwierigkeiten, weil sie damit den Verlust der eigenen Selbstbestimmung und die Einschränkung ihrer individuellen Freiheit verbinden. Leider hat die Geschichte auch immer wieder gezeigt und bestätigt, dass blinder Gehorsam abgründig missbraucht werden kann. Dabei ist Gehorsam biblisch und historisch gesehen eine Tugend, die uns Menschen Selbstbeherrschung, Genügsamkeit und Vertrauen abverlangt. Ungehorsam und Treulosigkeit sind die Untugenden, an denen der Mensch und die Gesellschaft krankt.

Wichtig für einen gesunden recht- und die tugendhaften Gehorsam ist letztendlich, wem und welchen Normen man gehorcht, und vor allem, ob dabei auch das Wohl des Gehorchenden berücksichtigt ist. Jeder Mensch folgt bestimmten Normen und Grundsätzen, denen er mal mehr oder weniger gehorsam ist, selbst wenn er sie selbst aufgestellt hat. Aber welche Instanz entscheidet dann noch über richtig und falsch oder gut und böse?

Die Instanz, die tatsächlich allumfassend das Gute, Richtige und vor allem das Wohl aller Im Blick hat, ist allein der allmächtige Gott selbst, der diese Welt und alles, was darinnen ist, geschaffen hat und erhält. Um Gott tatsächlich gehorsam sein zu können, muss man natürlich Gottes Gebote und Gottes Willen auch kennen und sein Wort hören. Erst daran kann man sein eigenes Denken, Reden und Tun wirklich überprüfen.

Es ist nämlich kein Unterschied, ob ich auf äußeren Druck der Gesellschaft, aus Sorge um mein Ansehen, aus Angst vor Benachteiligung oder Spott, Gott den Gehorsam verweigere oder ob ich mir selbst, aus eigenem Anrieb, von Gott nichts sagen lassen will. Wie schwer es sein kann, Gott immer wieder mehr zu gehorchen als den Menschen, zeigen die Apostel und Propheten neben vielen anderen biblischen Gestalten, die mit Gott in Konflikte geraten. Und das nicht nur im gegensätzlichen Gehorsam zwischen Gott und den Menschen, sondern gerade wegen ihres Gottes widerstrebenden Eigenwillen. So gehorcht zum Beispiel der Prophet Jona zuerst nicht dem Befehl Gottes, den Bewohnern Ninives Gottes Gericht zu predigen. Er flieht, und später zürnt er Gott, weil dieser auf die Umkehr der Menschen von Ninive die angedrohte Strafe abwendet. Die Geschichte zeigt, wir Menschen, werden Gott aus eigenem Willen und eigener Kraft nie über alles in der Welt gehorsam sein, wenn Gott uns nicht verändert! Wenn man also will, dass ein Mensch Gott gehorsam wird, dann erreicht man dies nicht durch Forderungen oder Drohungen, sondern indem man seinen Glauben an Christus durch die frohe Botschaft des Evangeliums weckt und stärkt.

In Jesus Christus hat Gott gezeigt, was es heißt, bis zur letzten Konsequenz gehorsam zu sein. „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Philipper-brief 2, 8) Durch seinen Gehorsam haben wir das Leben. Unser Gehorsam gegenüber Gott besteht nun allein darin, auf Christus zu vertrauen. Diese befreiende Botschaft weckt den Glauben an Christus und verändert den Menschen. Der Glaube macht ihn dazu bereit und fähig, Gott gehorsam zu sein. IN CHRISTUS! „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Epheser 2, 10)

Möge der dreieinige Gott uns durch sein Wort leiten und sein Sakrament immer wieder trösten und stärken, dass wir in Christus bleiben und uns im Vertrauen auf Jesu Gehorsam als Jünger unseres HErrn bewähren!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

 

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied. (Johannesevangelium 19, 30)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Was hat Jesus eigentlich am Kreuz vollbracht?“, so hinterfragen viele Menschen bis heute Jesu letzte Worte am Kreuz. Nicht, dass sie diese Frage offen aussprechen oder überhaupt stellen. Sie geben vielmehr gleich die Antwort mit ihrem Reden, Denken und Tun. Es widerspricht einfach unserem Gerechtigkeitssinn und unserer Vernunft, dass der Mensch ohne eigenes Mitwirken, allein durch den Tod Jesu gerettet sein soll.

Dabei offenbart sich gerade in unserm Bedürfnis und unserer Vorstellung, zu unserer Erlösung selbst etwas beitragen zu können, dass wir Jesu einmaligen Opfertod am Kreuz kritisch hinterfragen. Im Zweifel, ob wir Gottes Versprechen in seinem Sohn wirklich hundertprozentig trauen, liegt dann letztlich auch die Ursache der ganzen Schuld und Sünde des Menschengeschlechts, nämlich Misstrauen gegen Gott!

Dieses Misstrauen gegen Gott kommt auch uns Christen einfach immer wieder durch, gerade den scheinbar frommsten und rechtschaffensten unter uns, weil wir einfach nicht verstehen können oder nicht wahrhaben wollen, dass Jesus allein mit seinem Tod am Kreuz  alles für unsere Rettung getan hat.

Jesus der Christus ist ja genau darum die Mitte und das Zentrum der ganzen Offenbarung Gottes und des christlichen Glaubens, weil ER allein mit seinem Opfer für unsere Sünden am Kreuz unsere Erlösung vollbracht hat.

Da drängt es sich ja geradezu auf, das alle christlichen Kirchen  das 500. Gedenkjahr der Reformation ökumenisch als „Christus-Fest“ begehen. Dies ist auf jeden Fall bemerkenswert und verdient Respekt, gerade im Blick auf die gravierenden Ursachen der Auseinandersetzung vor 500 Jahren, wenn allein Christus im Zentrum der Gedenkveranstaltungen stehen soll. Nur entsteht so mittlerweile fast schon der Eindruck, als wäre die Reformation überflüssig gewesen und als würde jede christliche Konfession Christus als den Heiland verkündigen, der allein alles für unsere Rettung vollbracht hat.

Aber merken wir eigentlich noch, wie und was von diesem „allein durch Christus“ von den Kanzeln gepredigt und gelehrt wird? Ob unser Reden, Denken und Tun zum Allheilmittel neben oder sogar über dem Kreuz Jesu proklamiert wird? Welche Rolle spielen die menschlichen Werke und wie wirken sie sich auf unsere Erlösung aus? Wird Jesus nur für einen einzigartigen guten Menschen oder für einen erfolgreichen Religionsstifter neben vielen anderen gehalten?

Dabei sagt Jesus frei und offen:

„Was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ – Gar nichts, denn Gott gibt Alles! Jesus allein, der CHRISTUS, des lebendigen Gottes Sohn, hat unsere Erlösung am Kreuz vollbracht. „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 3, 36)

Mögen uns die voranschreitende Fasten- und Passionszeit helfen, diese befreiende Botschaft neu zu hören und zu fassen und unseren Glauben an IHN mit Gewissheit und Vertrauen zu erfüllen!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

 

Meine Seele wartet auf den HERRN mehr als die Wächter auf den Morgen. (Psalm 130, 6 – Monatsspruch für Dezember)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Wer in seinem Leben schon einmal eine Nachtwache halten musste, weiß wie lang und angespannt eine einzige Nacht sein kann und welche Erlösung der anbrechende Morgen mit sich bringt. Die Verantwortung und Anstrengung zum Beispiel auf den Schultern von Krankenschwestern, Ärzten, Polizisten, Feuerwehrmännern oder auch Soldaten, die nachts in ständiger Bereitschaft sein müssen, um im Ernstfall zum Schutz, zur Sicherheit und zur Hilfe für bedürftige Menschen da zu sein, nehmen wir in unsrer Gesellschaft jedenfalls nur selten oder eher am Rande wahr. Dabei hängt gerade von ihrer Bereitschaft und Wachsamkeit das Leben und die Rettung vieler Menschen ab.

Immer schon waren Menschen darauf angewiesen, dass gerade in der Nacht, wenn alle schliefen, Wächter die Aufgabe übernahmen, die Schlafenden bei Gefahr, plötzlichem Feuer oder Angriffen zu warnen. Wie sehnsüchtig mögen gerade diese Wächter das Licht des neuen Tages erwartet und erlösend empfunden haben, wenn die Last der Verantwortung mit der aufgehenden Sonne von ihnen abfiel?

Wenn wir hingegen von Schmerzen, Sorgen oder Ängste geplagt werden, dann können uns gerade diese Nächte auf leidvolle Weise unheimlich lang und einsam werden, weil wir keinen Schlaf finden und in dieser Zeit niemand da ist, mit dem wir unseren Kummer teilen oder zumindest davon abgelenkt werden. Zum einsamen Kummer kommt das Dunkel der Nacht, in der wir blind und angefochten nicht wissen und sehen, wo es lang geht oder was an Gefahren im Finstern lauert.

Der anbrechende Morgen kommt dann besonders für diese Menschen wie eine befreiende Erlösung, denn im Licht des Tages verschwinden die Schatten der Nacht und was uns umgibt wird sichtbar.

Gottes rettendes Eingreifen in diese Welt mit seinem Kommen in Christus macht uns sehend für seine Güte. Was uns in der Dunkelheit unseres Lebens ängstigt, wird durch sein Licht erhellt und kann uns in seiner Nähe nichts mehr anhaben. Christus spricht:

„Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Johannes 12, 46)

Jesus Christus ist das Licht der Welt. Mit seiner Geburt, seinem Tod und seiner Auferstehung, hat Gott seine Verheißungen – seine angekündigte Hilfe für sein Volk – erfüllt. Christus ist das Licht, das jetzt in der Finsternis dieser Welt und über seiner Kirche scheint.

Wer auf IHN hofft und sehnsüchtig auf SEIN Wiederkommen wartet, der ist schon im Licht des anbrechenden Tages. Möge SEIN Licht auch das Dunkel unseres Leben immer wieder erleuchten und mit Hoffnung und Zuversicht erhellen.

Eine von SEINEM Licht erhellte und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen / Euch

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so laßt uns festhalten an dem Bekenntnis. (Hebräerbrief 4, 14)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Mit dem diesjährigen Reformationsfest beginnt das 500jährige Reformationsjubiläum, das unter der ökumenischen Überschrift „gemeinsam frei“ ganz groß über das Jahr 2017 gefeiert werden soll. Der Überlieferung nach soll Dr. Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen als Diskussionsgrundlage gegen die Praxis des Ablasshandels an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. Das Datum wurde zumindest gut 150 Jahre später vom Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen auf den 31. Oktober als Gedächtnistermin für alle Protestanten einheitlich festgesetzt. Seither wird der Tag als Auftakt einer Bewegung gefeiert, welche die Kirche und die Gesellschaft bis heute grundlegend veränderte.

Allerdings lassen sich nicht alle heute vorfindliche Veränderungen und Neuerungen in Kirche und Gesellschaft tatsächlich auf die lutherische Reformation zurückführen, und erst recht nicht mit ihr als richtig und gut begründen. Denn der Begriff Reformation meint – im Sinne des Lutherischen Bekenntnisses – keine NEU-Formierung von Kirche und ihrer Lehre mit dem Anspruch, etwas neu oder besser als vorher zu machen. Vielmehr bedeutet Reformation eine RE-Formierung der Kirche, also die Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Aufstellung und Form.

Dr. Martin Luther war kein Besserwisser und kein Revolutionär. Wenn er von RE-Formation sprach, dann wollte er keine Strukturveränderungen und erst recht keine Kirchenspaltung, sondern die entschiedene Kehrtwendung zu Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen Herrn der Kirche. Das Evangelium von der Vergebung der Sünden, als Geschenk der Gnade Gottes um Christi Willen, wird leider immer wieder durch menschliches Misstrauen gegen Gott und dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, mit menschlichen Vorstellungen überlagert und verdreht. Verkrampfte und selbstverliebte Frömmigkeit, die die Gewissheit des Heils im Tun selbsterdachter Werke sucht oder aber hemmungs- und rücksichtslos ausgelebte Freiheit und Selbstbestimmung, die jegliche Grenzen und Maßstäbe ignoriert und sich in der Beliebigkeit verliert, sind die Folgen. Das war damals so und ist heute nicht anders.

Doch heißt es in der ersten der 95 Thesen, „dass das ganze Leben eines Christen eine Buße sei“, eine entschlossene Kehrtwende zum Herrn der Kirche, und zwar täglich. Die Kirche in der Welt und ihre Glieder leben aus der ständigen Vergebung, die nur durch Christus immer wieder ausgeteilt wird. Die Freiheit, die durchs Evangelium kommt, ist nur durch und mit Christus zu haben. Frei bleiben wir auch nur, indem wir in ständiger Verbindung zu ihm bleiben und vor allem hören und gelten lassen, was er uns sagt. Nur im beständigen Hinhören und Gelten lassen des Wortes Gottes geschieht tägliche RE-Formation. Das ist der Ursprung, zu dem Luther zurückführen wollte. Eine Spaltung der Kirche war nie seine Absicht.

Solche RE-Formation geschieht auch heute noch, wo wir uns fortwährend auf unsere christlichen Wurzeln besinnen und an Gottes Wort orientieren. Genau das hat sich damals im Lutherischen Bekenntnis niedergeschlagen, an dem wir auch deshalb weiterhin festhalten, weil es sich aus dem Wort Gottes ableitet und dies sachgerecht auslegt. So feiern wir zum 500jährigen Reformationsjubiläum nicht den 500. Geburtstag oder das Jubiläum der Entstehung der lutherischen Kirche – auch nicht Dr. Martin Luther – sondern das Lutherische Bekenntnis.

Das Lutherische Bekenntnis will zum Verständnis der Heiligen Schrift anleiten und seine niedergelegten Aussagen wiederum an der Heiligen Schrift bewähren. Die Heilige Schrift, die Bibel, ist nicht aus formalen Gründen die alleinige Quelle für den christlichen Glauben, sondern wegen ihres Inhalts. Allein Christus ist mit seinem Kommen in die Welt, seinem Leben, Sterben und Auferstehen der Grund für die uns von Gott geschenkte Gerechtigkeit. „Nimm Christus aus der Schrift – was bleibt dir noch?“, fragte Dr. Martin Luther einmal. Die Christenheit erkennt in Jesus Gott selbst, der Mensch wurde und dessen Tod und Auferweckung die Menschen von der Macht der Sünde und des Todes befreit – auch heute noch.

Dies aber erkennen wir nicht durch unsere frommen Gefühle oder  unser intensives Nachdenken und Forschen. Sondern, dass wir Sünder sind und in Christus erlöst werden, das muss uns gesagt werden. Allein durch Gottes Wort gelangen Menschen zu dieser Einsicht und zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. So ist dieses Wort noch weit mehr als die Bibel als bloßes Buch. Gottes Wort beinhaltet die mündliche Verkündigung, die Weitergabe der alten Wahrheiten in unser heutiges Leben, die lebendige Stimme des Evangeliums.

Dieses Wort kann man sagen und hören – und wir sollen es auch verstehen. Deshalb hat Dr. Martin Luther ja auch die Bibel ins Deutsche übersetzt und der Predigt im Gottesdienst mehr Raum geschaffen. Aber dieses verkündigte Wort Gottes zielt nicht einzig auf unseren Verstand. Vielmehr wird der wesentliche Inhalt – Christus ist mein Retter, Bruder und Herr – allein durch den Glauben ergriffen und im Bekenntnis ausgedrückt und festgehalten.

Nicht unsere Werke und nicht unsere Mitwirkung an einer Weltverbesserung Gottes, sondern nur unser Vertrauen auf Christus allein bahnt uns den Weg in die Ewigkeit und lässt uns hier schon als Erlöste und freie Kinder Gottes leben. „Schrift und Bekenntnis“, „Allein die Schrift“, „Allein Christus“, „Allein durch das Wort“, „Allein durch den Glauben“ – das ist der Zusammenklang einer zeitlos gültigen RE-Formation, die uns Christen auf die einzige Quelle unseres Glaubens (die Schrift) und den einzigen Grund unseres Glaubens (Christus) hinweist und bekennt.

Dies gilt es mit Gewissheit und ohne Scheu in der Welt und auch im ökumenischen Kontext einzutragen und zu bekennen. Wir sollten uns fragen, mit wieviel Mut zum Bekenntnis und mit wieviel Überzeugungskraft wir heutzutage in die Diskussionen und Entscheidungsprozesse einer säkularisierten Welt gehen, anstatt die Väter der Reformation zu kritisieren. Denn im Gegensatz zu ihnen stehen wir noch in der Bewährung, das gesellschaftliche, kulturelle und geistliche Leben unserer Zeit, mutig und treu zum Lutherischen Bekenntnis der RE-Formation mitzugestalten. Möge Gott uns die Kraft schenken, unseren Glauben mit Christus zu leben, und wie die geistlichen Väter und Mütter unserer Lutherischen Kirche, den Mut, DEN zu bekennen, der uns allein wahre Freiheit schenkt.

Eine beständige RE-Formation des Glaubens, also immer wiederkehrendes Festmachen an Jesus Christus, als Grund und Halt unserer christlichen Freiheit und Erlösung und die Kraft, diesen auch weiterhin mutig in der Welt zu bekennen, wünscht Ihnen / Euch

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl

Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, Er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. (Exodus 15, 2 – Monatsspruch für Juni)

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Es gehört zu den schönsten Dingen im Leben der christlichen Gemeinde, wenn Christen hin und wieder aufrichtende Glaubenserfahrungen machen und davon berichten. Denn oft gehen solchen persönlichen Erfahrungen quälende Sorgen und schmerzhafte Zweifel voraus. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie unerwartet Probleme und Hindernisse im persönlichen oder Gemeindeleben aufbrechen können. Besonders, wenn solche Ereignisse nach menschlichem Ermessen unlösbar erscheinen, sinkt den Auf-sich-gestellten und Alleingelassenen resigniert und hoffnungslos der Mut.

Wie tröstend ist es dann, in solchen Momenten ein offenes Ohr oder noch besser eine starke helfende Hand zu erfahren, die einen mit den Problemen nicht allein lässt. Eine Hand, die nicht nur auf den weist, der wirklich helfen kann, sondern mit ihrem Gebet, ihrem Anpacken oder ihrer Gabe selbst zur Hilfe wird. Auf solchem Hintergrund erfahrener Hilfe in existentieller Bedrängnis erklingt das zuversichtliche und durchaus mitreißende Bekenntnis: Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, Er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben.

Gott der Herr hat die Not seines Volkes gesehen und es aus der ägyptischen Gefangenschaft sicher herausgeführt. Es gehört zum Glaubensleben dazu, dass wir wiederkehrend auch die Glaubenserfahrung machen können, dass Gott uns in unserer Not nicht nur sieht und hört, sondern dass er auch eingreift und hilft.

Auch, wenn wir uns als lutherische Christen mit Glaubensgefühlen und Erfahrungen oft schwer tun, weil solche Gefühle auch täuschen oder manipuliert werden können, gehören sie doch zu einem lebendigen Glauben dazu. Denn ein nur theoretischer Glaube, der Gottes rettendes Eingreifen nie erfährt, würde recht schnell erkalten und erlöschen. Gerade deshalb sichert uns Christus zu, den Tröster zu senden, der uns nicht nur durch Wort und Sakrament immer wieder im Glauben und in der Hoffnung fest macht, sondern unsere Herzen dadurch immer wieder auch zu Taten helfender Liebe treibt.

So ist Gottes souveränes Eingreifen in der Welt gewiss und im Glauben erkenn- und erfahrbar. Oft genug geht Gottes Hilfe dann auch ganz andere Wege als wir sehen oder uns erdenken, wie auch unsere Rettung durch Jesu Kreuz und Auferstehung. Wie Gott in unseren Gemeinden und unserem Leben konkret wirkt, hilft und erfahrbar wird, mag ganz unterschiedlich sein, wichtig ist allein, dass ER eingreift, damit der Glaube wächst und gestärkt wird, der auf Christus steht und bekennt: ER ist meine Stärke und mein Lobgesang, denn ER ist mir zum Retter geworden.

Wer selbst diese Erfahrung gemacht hat, wie der Herr in seinem Leben oder im Leben seiner Gemeinde zum Retter geworden ist, der wird auch Wege suchen und Mittel finden, denen zu dieser Erfahrung zu verhelfen, die es dringend nötig haben. So wird Gott gewiss auch auf diesen Wegen Menschen seine Rettung erfahren lassen, damit auch sie mit uns einstimmen in den Lobgesang seiner Hilfe und Stärke: Der HERR ist für mich zum Retter geworden!

Ihr / Euer Pfr. Tino Bahl